Zeit statt Zeug

3 Kommentare

Hast du auch das Gefühl, dass das Geld eigentlich nie reicht? Das Gefühl, dass das ganze Arbeiten nicht reicht, um wirklich glücklich zu werden? Das Gefühl, vor lauter Arbeit das Beste zu verpassen? Wenn ich richtig gut verdiene, gönn ich mir auch mal eine Auszeit! Und außerdem wollte ich mich ja schon immer mal ehrenamtlich engagieren, aber irgendwie fehlt mir die Zeit. Naja, vielleicht nächsten Monat oder nächstes Jahr!

Obwohl wir im absoluten Überfluss leben, haben wir den Eindruck, dass es anderen besser geht und sind trotz all dieses Luxus‘ irgendwie unzufrieden. Warum gehst du arbeiten? Damit ich mir was leisten kann. Warum gehst du so viel arbeiten? Damit ich mir mehr leisten kann. Auf diese einfache Formel kann man es ruhig reduzieren. Es geht schon lange nicht mehr um das existenziell Nötige oder wann hast du dich das letzte Mal über fließendes Wasser aus dem Hahn in der Wand gefreut?

Es geht um das MEHR. Vor allem um das MEHR der anderen. Deshalb gehen die meisten arbeiten, deswegen geben die meisten das MEHR Geld auch sofort wieder aus und haben den Eindruck, dass das Geld nie reicht.

Meine These: 850€ reichen in Deutschland um gut zu leben. Wie ich darauf komme? Stephan und ich leben seit über drei Jahren von 850€ und es fehlt uns an nichts.

Du hast noch Fragen zum Thema Versicherungen und finanzielle Absicherung?



Diese 850€ nehmen wir als Basis für die weiteren Überlegungen.

Die große Masse gibt das MEHR (als die 850€) für den Konsum aus. Denn kaufen macht ja glücklich, oder? Nein! Die Vorfreude auf den Kauf, ja. Und was passiert nach dem Kauf? Das zeigt diese schöne Grafik:

Zeit staat Zeug Grafik

Selbst das schönste Auto, größte Haus oder schnellste Boot nutzt sich einerseits ab, wird also finanziell immer weniger wert und andererseits gewöhnt man sich sehr schnell an das MEHR.

Tom Nr.3

Viel besser wäre es doch, wenn man sein Geld so einsetzen würde, dass die Kurve stetig steigt, oder?

Die gute Nachricht ist: Es ist möglich! Die Formel, mathematisch gesprochen: die Funktion, dahinter ist: Zeit statt Zeug. Erlebnisse wie Konzerte, ein Kuss, ein toller Urlaub usw. werden im Laufe der Zeit immer wertvoller. Früher war nicht alles besser, aber die Erinnerung daran. Sprecht mit euren Großeltern und ihr wisst, was ich meine.

Wie kann ich das nun aber umsetzen?

Um das zu beantworten, müssen wir noch ein paar Überlegungen anstellen. Erstens müssen wir uns bewusst machen, was eigentlich Geld ist. Letztlich ist Geld nichts anderes als Zeit. Man wendet Zeit auf um es zu verdienen und wendet Zeit auf, es auszugeben und zu konsumieren. Zweitens ist das an Zeit, dass man sie nicht wie Geld einfach sparen und später ausgeben kann. Entweder jetzt arbeiten oder jetzt einen schöne Film gucken. Wenn ihr euch also etwas kauft, macht euch bewusst, dass ihr kein Geld, sondern eure Zeit ausgebt. Eure Lebenszeit! Auch bei vermeintlichen Schnäppchen gebt ihr Zeit aus.

Dazu einmal folgende Übung zum Mitmachen:

Wie hoch ist dein Stundenlohn (teilt einfach euer Nettogehalt durch vier und dann noch mal durch eure Wochenarbeitszeit)?

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Wie teuer war deine letzte größere Anschaffung?

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Wie viele Stunden/Tage warst du dafür arbeiten (teile die Kosten der Anschaffung durch deinen Stunden-/Tageslohn)?

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Ich finde, das ist ein ganz schön mieser Deal. Du gehst arbeiten und „verlierst“ Lebenszeit. Mit der Lebenszeit erkaufst du dir Dinge, die immer wertloser werden und die du innerhalb kurzer Zeit überhaupt nicht mehr wahrnimmst.

Daraus können wir jetzt Überlegungen anstellen, wie es „besser“ geht.

1.) Weniger arbeiten: Du gibst deine Zeit statt für Arbeit für andere Dinge aus. Diese Dinge sollten dann aber wenig oder am besten gar nichts kosten. Weniger arbeiten und dafür mehr auf Konzerten für 60€ die Karte sein, funktioniert also nicht. Hier findest du Anregungen, was du stattdessen machen kannst.

2) Zeit kaufen: Wie denn das jetzt?! Wie viel Zeit verbringst du damit, die Wohnung sauber zu machen? Wie viele Stunden in der Woche gehst du einkaufen? Wie lange dauert es, deine Wohnung zu renovieren? All diese Dinge sind nichts anderes als Dienstleistungen, die du dir statt neuer Schuhe oder einem neuen elektronischen Spielzeug kaufen kannst.

3) Deinen „Wert“ erhöhen: In der BWL bist du und deine Arbeitskraft bzw. Zeit nichts anderes als Humankapital. Wenn deine Fähigkeiten gefragt sind, wirst du wertvoller und teurer, sprich: dein Einkommen steigt. Wenn du für 20€ statt einer Stunde nur 30 Minuten arbeiten gehen musst, könntest du bei gleichem Einkommen nach dem Mittag das Büro wieder verlassen. Wie du deinen Wert erhöhst? Aus- und Weiterbildung!

Wir werden uns zukünftig diesem Thema verstärkt widmen. Das heißt, wir werden mehr dazu schreiben, Workshops entwickeln, Kooperationen anstoßen und weitere Ideen entwickeln. Unser Ziel ist es, dem Geld den richtigen „Wert“ beizumessen. Bleibt gespannt!

Du hast noch Fragen zum Thema Versicherungen und finanzielle Absicherung?





Seit 2011 sind Stephan Busch und Tom Wonneberger die PROGRESS Finanzplaner. In ihrem Blog erklären sie alles rund um Versicherungen und Finanzen - einfach und verständlich. Weitere Infos findest Du auf der Über Uns Seite.


3 thoughts on “Zeit statt Zeug”

  1. Sarah says:

    Super Beitrag, ausgezeichnet!

  2. Mark Lehmann says:

    Vielleicht bin ich ja ein konsum Junkie, aber 850€/monat? Sicherlich, als Azubi hat das man hingehauen. wg zimmer 350€, essen und trinken mit 150€ und mein mobil, internet und Kabelanschluss mit 50€, 60€ dvb Abo, Friseur für 15€,…
    Wenn ich gut gewirtschaftet habe, kamen 50€/woche zur Verfügung raus. Da darf aber auch nichts kaputt gehen. Möbel hatte ich mir bei ebay organesiert.

    Ob ich jetzt mit 30 noch so leben will? Sicher war es unbeschwerter, aber das lag eher an keine Verantwortung für jemand anderem zu haben.

    1. PROGRESS Blog says:

      Lieber Mark,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Der Beitrag dient als Denkanstoß und beschreibt das Phänomen, dass sich die Ausgaben scheinbar wie ein Naturgesetz mit den Einnahmen erhöhen. Wir haben zwar höhere Einnahmen und können und werden uns so mehr leisten, lediglich zufriedener oder glücklicher werden wir nicht. Das zeigen auch sehr viele Studien.

      Viele Grüße

      Tom Wonneberger

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