Was nun? #2 – Warum braucht man immer einen Plan?

Keine Kommentare

Nachdem wir Fragen gestellt und Antworten geliefert haben, wollten wir einen Fahrplan, eine Art Checkliste für die Gründung erstellen. Wir haben diskutiert und recherchiert, gelesen und geschrieben, um dann festzustellen: Das ist unmöglich. Jeden Tag haben wir neue Aspekte gefunden, so dass wir nie eine abschließende Liste erstellen könnten. Um einigermaßen vollumfänglich zu sein, bräuchten wir das Format eines Buches nicht das eines Blogs.

Was ist ein Plan?

Warum sind Checklisten und Fahrpläne so beliebt? Weil sie ein Gefühl der Sicherheit vermitteln: Tu dies in der Reihenfolge und du wirst schlank, erfolgreich oder schlau. Pläne sind dabei erstmal nichts anderes als Absichtserklärungen und Modelle der Zukunft. Man hat ein großes Ziel vor Augen und teilt dieses mit Hilfe von Plänen in kleinere, messbare Unterziele auf.

Warum funktionieren Pläne so selten?

Alle Modelle haben jedoch einen gravierenden Nachteil: Sie müssen, um funktional zu sein, reduzieren, d.h. sie vernachlässigen bestimmte Einflüsse und Faktoren und sind nie ein getreues Abbild der Realität, sondern ein Ausschnitt. Ein Stadtplan ist nur deshalb zu gebrauchen, weil er kein 1 zu 1 Abbild der Realität ist. Bei so einem komplexen Thema wie der Gründung eines Unternehmens, muss ich also sehr viele Aspekte unberücksichtigt lassen, damit ich überhaupt loslegen kann. Dabei kann niemand einschätzen, ob ich gerade die relevanten oder die irrelevanten Themen unberücksichtigt lasse. Vielleicht habe ich einen sehr wichtigen Faktor außen vor gelassen, der mir später ziemlich auf die Füße fällt.

Das zweite Problem ist die Zukunft. Die ist bekanntermaßen ungewiss. Niemand kann sie vorhersagen, auch wenn viele so tun. Du kannst nicht voraussehen, ob der große Deal klappt, oder ob du eine schwere Krankheit bekommst, die dich bremst. Je weiter der Zeithorizont, desto unschärfer und unsicherer werden Pläne. Wir haben das bei uns selbst ganz extrem bemerkt.

Was haben wir gelernt?

Uns war das im Vorfeld bewusst und dennoch haben wir versucht, einen allgemeingültigen Fahrplan zur Unternehmensgründung aufzustellen. Die Branchen, die Menschen dahinter, die externen Faktoren, die Zufälle, die Talente, die Kontakte, die Netzwerke, die Wünsche und Ängste all das ist viel zu unterschiedlich, als sie alle in eine Reihenfolge zu bringen. Es gibt Aspekte, mit denen man sich zu Anfang auseinandersetzen sollte, aber keinen starren Fahrplan. Eine Gründung ist keine Maschine, bei der ich einen Knopf drücke und immer das gleiche rauskommt. Der Hinweis, keinen Business-Plan zu schreiben ist für Kleingründungen aus unserer Sicht richtig, wenn ich aber eine Biotech-Firma gründe, bei der ich 10 Millionen Startkapital brauche, völlig falsch.

Einen Unternehmen zu gründen, ist wie ein Bild zu malen oder ein Buch zu schreiben: dynamisch. Ständig gibt es neue, unbekannte Entwicklungen und Gedanken, das Ganze entwickelt sich einfach zu schnell, als dass es sich in Zahlen, starre Pläne oder Business-Cases pressen ließe.

Ja, was nun?

Um euch aber nicht völlig im Regen stehen zu lassen, haben wir all unsere Erfahrungen auf wenige Impulse reduziert. Diese Liste ist nicht abschließend und wird sich immer weiter entwickeln. In Zukunft werden wir in unregelmäßigen Abständen einzelne Aspekte aufgreifen und näher beleuchten. Aber noch einmal: Diese Liste unterliegt weder einer chronologischen noch einer anderen Systematik.

– Setz dich regelmäßig mit dir auseinander

– Mach kleine Schritte

– Baue Rücklagen auf

– Eröffne ein Geschäftskonto

– Trenne private und berufliche Einnahmen und Ausgaben

– Prüfe die Förderung vom Arbeitsamt

– Blog statt Homepage

– Name und Logo sind nicht so wichtig

– Spare nicht am Steuerberater und Anwalt

– Gehe in Vorleistung

– Bleib authentisch

– Du brauchst keine Imagebroschüren oder Flyer

– Nutze Verbände, Gewerkschaften und Interessenvertretungen

– Eigne dir grundlegende kaufmännische Fähigkeiten an

– Frage nach Hilfe

– Mach Mittagsschlaf

– Bleib frei und flexibel

– Vermeide Fixkosten

– Suche dir angemessene Geschäftsräume

– Mensch schlägt Produkt

– Strukturiere deine Tage, Wochen und Monate, aber nicht die Jahre

– Vergiss Steuervorteile

– Schaffe dir ein Ideenbuch an

– Tausche dich mit anderen aus

– Teste Gründerveranstaltungen

– Die ersten drei Jahre sind hart

– So viele Versicherungen wie nötig, so wenige wie möglich

– Mach regelmäßige strategische und kreative Pausen

– Habe keine Angst, dass deine Idee geklaut wird

– Team schlägt Berater

– Einfach machen

– Wenn du scheiterst, geht es weiter

Fazit

Du wirst nie alles vorhersehen und vorwegnehmen können. Es geht nicht darum, den perfekten Plan aufzustellen, sondern ein Unternehmen zu gründen und zu leiten. Deshalb: Mach es einfach! Ja, du wirst Fehler machen. Ja, du wirst Geld verbrennen. Ja, du wirst Momente haben, an denen du denkst: Ach Scheiße, ich schmeiße hin! Aber: Genauso wird es Momente der Freude, der Euphorie, der Erleuchtung, des Stolzes und was weiß ich was noch geben.

Damit geht es beim nächsten Mal weiter:

Mehr ist weniger

VG Tom & Stephan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.