Was bringt eigentlich ein Netzwerk?

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8 Millionen Einträge zu „Netzwerk“ und 3 Millionen zu „netzwerken“ finden sich bei Google. Über 5.500 Ratgeber zum Thema „Netzwerken“ auf Amazon. Es gibt dutzende Businessnetzwerke und Empfehlungskreise von Stammtisch bis Sekte. Netzwerken oder in der Sprache ganz wichtiger business people „networking“ gilt als der Königsweg zum Erfolg. Ist das wirklich so? Bringt Netzwerken was? Warum schreiben da alle drüber? Wie geht am besten vor? Fragen über Fragen, die Antworten bedürfen.

Was bringen Ratgeber?

Ratgeber zum Thema sind meist ähnlich aufgebaut: In 7 Schritten zu starken Netzwerken! Geh nie allein essen! Erfolgsstrategie Networking…und so weiter und so fort. Die Essenz lautet: mach dies und jenes und du wirst beliebt und erfolgreich. Letztlich lesen sich Ratgeber zum Netzwerken wir Kochbücher. Eine Prise Heuchelei, 500g Aufmerksamkeit, 3 Spritzer Höflichkeit, kräftig rühren, 2 Stunden ziehen lassen und fertig ist das Netzwerk.

Wenn es tatsächlich so einfach ist, fragen wir uns, warum sich die meisten damit so schwer tun. Wir werden uns im Folgenden davor hüten, euch zu sagen, was ihr tun müsst, um erfolgreich ein Netzwerk aufzubauen, denn jeder ist anders und nur, weil es bei uns womöglich funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass das für euch der geeignete Weg ist.

Wir haben festgestellt, dass sehr extrovertierte Leute sich wesentlich leichter damit tun, Kontakte zu knüpfen und damit potenziell Netzwerke aufzubauen. Allerdings bedarf ein eigenes Netzwerk natürlich intensiver Pflege, sonst passiert nichts. Langfristig bringt es also auch extrovertierten Leuten nichts, einfach nur Kontakte zu sammeln. Introvertierte Menschen tun sich wesentlich schwerer damit, Kontakte aufzubauen. Allerdings fällt es ihnen oftmals leichter, diese zu pflegen und so das Netzwerk am Leben zu halten.

In Vorleistung gehen

Wir haben damals ein Buch eines Trainers und Unternehmensberaters für die Finanzwirtschaft gelesen, der den Tipp gab, in Vorleistung zu gehen, über andere Unternehmen zu schreiben und diese zu empfehlen. Daraus ist die Idee unseres Existenzgründerberichts geworden. Einmal im Monat stellen wir junge Selbstständige mit frischen Ideen vor und bieten ihnen über unsere Facebookseite und mittlerweile unseren Blog eine Plattform, mehr Reichweite zu erhalten. Wir haben dafür keine Gegenleistung erwartet oder Geld verlangt. Der vorgestellte Gründer hat sich und seine Idee vorstellen und so potenzielle Kunden ansprechen können. Im Gegenzug haben wir von dessen positiven Image profitiert.

Oftmals kamen Fragen wie: Was habt ihr davon? Warum macht ihr das? Ihr wollt doch bloß Versicherungen verkaufen! Letztlich haben wir es gemacht, um etwas zu probieren, es zu testen und auf authentische Weise Kontakte zu knüpfen. Über die Zeit haben wir so viele Gründer kennen gelernt. Mittlerweile bekommen wir Anfragen für die Berichte.

Neben diesen Berichten haben wir Gründer unterstützt, in dem wir uns Zeit für sie genommen haben, um ihnen bei verschiedenen Themen zu helfen oder in dem wir sie an andere weiter empfohlen haben, wenn sie irgendeine Dienstleistung brauchten. So haben wir unterschiedliche Leute zusammen gebracht. Dafür wollten wir nie Provisionen oder ähnliches. Unser Anliegen war es, Lösungen für Probleme zu finden und zu versuchen, die Selbstständigen, die alle für sich rumwurschteln, zusammenzubringen. Statt Provisionen zu nehmen, war es uns wichtig, dass ihnen gut, schnell und unbürokratisch geholfen wird.

Wer gibt, dem wird gegeben

Als dann im letzten Jahr wir von heute auf morgen unsere Bürogemeinschaft verlassen mussten und wenig später meine Krebserkrankung dazukam, standen diese vielen Leute an unserer Seite, um uns zu unterstützen. Das, was wir über die Zeit gegeben haben, kam also zurück. Hätten wir zuvor den kurzfristigen Erfolg und das schnelle Geld gesucht, wäre uns diese Hilfe nicht zu Teil geworden.

Die Idee des Verknüpfens und des Existenzgründerberichts haben wir auch in der Folgezeit nicht aufgegeben, nach dem Motto: Wir haben es geschafft, unser Netzwerk steht, jetzt sind mal die anderen dran.

Dieses eher informelle Vorgehen, das Unkonkrete, wenig Greifbare wollten wir Schritt für Schritt fester und konkreter machen. Wir haben verschiedene Netzwerktreffen besucht und überlegt, ob wir uns hier und dort einbringen bzw. beteiligen. Allerdings fehlte uns bei all diesen Initiativen der Biss, das Besondere, das Außergewöhnliche. Alles wirkte so…ausgelutscht, abgegriffen, althergebracht.

Zeit für etwas Neues

Im März haben wir dann Saskia und Andrea Spiegelneuronen kennen gelernt und das Vorhaben Netzwerk formte sich langsam. Wir wussten, dass wir keinen typischen Stammtische oder Treffen organisieren wollten. Wir wussten, was wir nicht wollten. Was wir wollten, wussten wir jedoch noch nicht. Wir dachten: einfach mal loslegen und schauen, wie die Resonanz ist.

Im Juli nach einiger Vorbereitung fand dann endlich die Auftaktveranstaltung unseres eigenen Netzwerks statt. Mittlerweile hatte das Kind sogar einen Namen: lasstesunstun. In der Werkshalle von Nordwerk trafen sich unterschiedlichste Köpfe unterschiedlichster Branchen erwartungsfroh. Das Verrückte war, dass alle überpünktlich da waren. Zugegebenermaßen waren wir damit ein klein bisschen überfordert, aber auch positiv überrascht. Statt die Leute mit langweiligen Präsentationen zu nerven haben wir Pappen gestaltet, auf denen alle ihre Gedanken und Wünsche zu einem Netzwerk kundtun konnten. So konnten sich alle frei bewegen und schwatzen. Gleichzeitig fühlten sich alle motiviert, an den Pappen aktiv zu werden und sich mit anderen auszutauschen. Unser Ziel war es, zu schauen, wie die Veranstaltung aufgenommen wird, wie die Resonanz ist, ob die Leute Bock auf was Neues haben, ob sie aktiv mitmachen wollen und in welche Richtung sich das ganze bewegen könnte.

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Das erste Treffen von lassesunstun zeigte: Da geht was!

Am Ende konnten wir feststellen: Ja, die Leute haben Bock drauf! Ja, die Leute wollen mitmachen! Die Idee von lassesunstun war geboren. Aber auch: Was habt ihr denn eigentlich vor? Wie geht’s denn nun weiter? Jede Antwort beförderte mindestens zwei neue Fragen zutage.

Aus Ideen werden Taten

Die folgende Zeit war von vielen Treffen und Diskussionen geprägt. Galt es doch, den ins Rollen gebrachten Stein, in eine Bahn zu bringen. Die Idee mit Leben zu füllen oder schlicht: zu liefern. Die Messlatte haben wir mit der Veranstaltung sehr hochgelegt und wir hatten die Befürchtung, den Ansprüchen womöglich doch nicht zu genügen.

Viele Ideen und Ansätze schwirrten in unseren Köpfen umher. Mit der Homepage erreichten wir eine durchaus große Reichweite. Anfragen aus ganz Deutschland erreichten uns. Wir wollen mitmachen! Was muss ich tun? Das motivierte uns, ja. Aber es sorgte auch für die Notwendigkeit, endlich festzumachen, was und wen wir eigentlich wollen.

Derzeit befinden wir uns sozusagen in der Findungs- und Konsolidierungsphase. Wir bringen unsere Ideen zu Papier und geben dem ganzen einen Fahrplan. Wir fangen mit einigen kleinen Dingen an, um zu schauen, wie diese ankommen. Eines muss einem bewusst sein: Ein Netzwerk entwickelt sich nicht von allein! Wir investieren zu zweit derzeit etwa 12 Stunden in der Woche in die Entwicklung ohne die Sicherheit, dass am Ende auch was gutes bei raus kommt.

Letztlich ist gilt auch hier: Wir probieren es einfach aus! Wir können im Vorfeld nicht wissen, welche Ideen gut ankommen und auf eine Nachfrage stoßen, insofern lassen wir das große Pläne schmieden sein. Stattdessen machen wir das, was uns gefällt, womit wir uns wohlfühlen und zufrieden sind. Wir glauben, damit werden wir genau die richtigen Menschen erreichen, ohne uns verbiegen zu müssen.

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