Garantien in der Altersvorsorge: teuer und nutzlos

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Gemeinhin legen die Deutschen größten Wert auf die Sicherheit und Garantien in der Altersvorsorge und Geldanlage. Warum das problematisch ist und wie es besser geht, erklären wir in diesem Beitrag.

Magisches Dreieck der Geldanlage

Es gibt das sog. Magisches Dreieck der Geldanlage. Das beschreibt drei konkurrierende Ziele bei deiner Geldanlage: Sicherheit, Verfügbarkeit (Liquidität) und Rendite (Rentabilität). Sicherheit meint dabei den Erhalt des Vermögens. Verfügbarkeit oder Liquidität, wie schnell (und günstig) du das Vermögen zu Bargeld machen kannst, um damit Ausgaben zu tätigen. Rendite oder Rentabilität meint den Ertrag, den deine Anlage über den Zeitraum abwirft.

Das Magisches Dreieck der Geldanlage

Du kannst nie alle drei Ziele erreichen. Die Eier legende Wollmilchsau existiert nicht. Je weiter du dich für eine Ecke bzw. ein Ziel entscheidest, desto weiter weg bist du von den anderen. Willst du eine besonders sichere Anlage, verlierst du Verfügbarkeit und Rentabilität. Ganz in der Mitte hast du eine Mischung aus allem.

Sicherheit ≠ Garantie

Sicherheit kannst du auf verschiedenen Wegen erhalten. Der wichtigste ist eigentlich die Diversifikation oder Streuung deiner Anlagen. Eine alte Börsenweisheit lautet: Nicht alle Eier in einen Korb. Durch die Streuung gleichst du Verluste einzelner Anlagen mit den Gewinnen/Erträgen von anderen aus. Das Problem: Die meisten sagen, ihnen ist Sicherheit wichtig. Sie meinen aber Garantien. Das scheint ein speziell deutsches Phänomen zu sein. Durch die Fixierung auf Garantien, erzielen die deutschen Anleger*innen deutlich geringere Erträge als Anleger*innen in anderen Ländern. Viele legen ihr Geld nur dort an, wo es garantiert ist. 77% des Geldvermögens der Deutschen von fast 6.500 Milliarden (!) Euro liegt auf Konten oder in Renten- und Lebensversicherungen.

Du hast noch Fragen zum Thema Versicherungen und finanzielle Absicherung?



Was sind Garantien?

Altersvorsorge
Garantien = ein kostenpflichtiges Versprechen von Banken und Versicherern

Eine Garantie ist zunächst ein Versprechen: Ich (Bank, Versicherung) garantiere dir (Anleger*in, Sparer*in), dass du irgendwann X Euro bekommst. Wenn du heute 50.000€ auf einem Konto liegen hast, garantiert dir die Bank, dass da auch morgen und in 20 Jahren noch 50.000€ liegen. Das gilt natürlich nur, sofern du keine Gebühren oder Negativzinsen zahlen musst. Das ist also schon mal die erste Einschränkung. Bis 100.000€ pro Person sind deine Bankguthaben garantiert. Im Zweifel steht dafür der Staat ein. Diese Garantie mussten Peer Steinbrück und Angela Merkel während der Finanzkrise 2008 aussprechen. Sie wollten damit verhindern, dass alle an die Schalter rennen und ihr Geld abheben.

Bei Versicherungen ist das ähnlich. Dort zahlst du einmalig oder monatlich X Euro ein. Der Versicherer spricht zum Beispiel eine sog. Beitragsgarantie aus. Das heißt, du bekommst irgendwann in der Zukunft garantiert deine Beiträge zurück. Wenn die Versicherung Überschüsse erzielt, bekommst du etwas mehr. Die findest du bei allen geförderten Produkten wie Basis– oder Riester-Renten. Weniger kannst du dort nicht wieder bekommen.

Bei Privatrenten- und Kapitallebensversicherungen hast du meistens mehr bekommen. Das war der Garantiezins. Korrekt heißt der Höchstrechnungszins, da die Versicherer nicht höherer, aber sehr wohl weniger garantieren durften. Unter dem Namen kennen den aber nur Profis. Der Versicherer garantierte dir dort, dass du nicht nur deine Beiträge zurückbekommst, sondern auch garantiert X Prozent pro Jahr als Überschuss. Allerdings ist der Garantiezins aus verschiedenen Gründen seit Jahren im freien Fall.

"...der Garantiezins ist aus verschiedenen Gründen seit Jahren im freien Fall."

Solche Garantien in der Altersvorsorge nennt man auch nominale Garantie. Sie bezieht sich nur auf die Zahl (also z.B. 10.000€) nicht auf die Kaufkraft.

Problem 1: Zeit bei den Garantien in der Altersvorsorge

Das Problem an diesen nominalen Garantien ist, dass das Versprechen heute für einen Zeitpunkt weit in der Zukunft abgegeben wird. Heute kannst du dir für deine garantierten 100€ Zusatzrente einen Wocheneinkauf im Supermarkt leisten. Damit rechnest du und das erwartest du auch für den Einkauf in 30 oder 40 Jahren. Das ist jedoch nicht der Fall. Durch die Inflation (Preisentwicklung) kannst du dir jedes Jahr von deinen 100€ etwas weniger leisten. Du wirst auch in 30 oder 40 Jahren noch einen 100-Euro-Schein (oder etwas anderes) in den Händen halten, dir aber eben nicht mehr den Wocheneinkauf im Supermarkt davon leisten können. Wie sehr dieser Kaufkraftverlust mit der Zeit arbeitet, zeigt dir diese Tabelle:

Von 2000 bis 2019 lag die Inflationsrate bei ungefähr 1,5% pro Jahr. Nehmen wir die als Grundlage. Dann siehst du, dass du in 40 Jahren zwar noch immer 100€ in Händen hältst, den Einkaufswagen dann aber nur noch zur Hälfte füllen kannst. Leider erfassen wir die Entwicklung von Zinsen (positiv) und Inflation (negativ) nicht. Deswegen müssen wir sie berechnen und bewusst in unsere Überlegungen einbeziehen. Legst du dein Geld auf dem Sparbuch zu garantiert 0% an, wirst du den Gürtel in 40 Jahren also doppelt so eng schnallen müssen.

Spannend wird es, wenn wir anders auf das Problem schauen und uns fragen: Wie viel brauche ich in X Jahren, um mir dann noch den Einkaufswagen zu füllen? Das siehst du in der nächsten Tabelle:

Bei der Inflation der letzten Jahre musst du in 40 Jahren also schon über 180€ auf den Tisch legen (können), um den Einkaufswagen genauso so voll zu machen, wie heute für 100€. Bei 2% muss sich dein Vermögen bereits verdoppelt haben.

Problem 2: Kosten bei den Garantien in der Altersvorsorge

Garantien in der Altersvorsorge sind unnütz
Garantien bekommt man nicht geschenkt!

Garantien sind wahnsinnig teuer. Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum Altersvorsorge mit Versicherungen mit Garantien nicht (mehr) funktioniert. Ganz besonders problematisch ist die Entwicklung der letzten Jahre. Wenn der Versicherer nur zu einem fernen Zeitpunkt einen Betrag X garantieren müsste, könnte er das günstiger mittels einer vorausschauenden Anlagepolitik machen. Allerdings drängten vor allem die Verbraucherschützer*innen darauf, dass die Garantien die gesamte Laufzeit, also auch während der Sparphase, über gelten. So sollen die Versicherer möglichst hohe Rückkaufswerte garantieren, falls du vorzeitig kündigst. Das schränkt den Anlagehorizont der Versicherer massiv ein. Sie können gar nicht anders, als in ebenso garantierte und vermeintlich sichere Anlagen zu investieren. Das widerspricht eigentlich mit dem Altersvorsorgegedanken, möglichst lang durchzuhalten.

Garantien wirken also zweifach: Erstens schränken sie den Anlagehorizont ein. Der Versicherer kann also nur in wenig rentable Anlagen investieren. Gleichzeitig kosten sie auch noch viel. Die Rendite sinkt also weiter. Vor allem in diesen Niedrigzinszeiten ist die Wirkung extrem.

Derzeit garantiert eine Garantie vor allem eins: dass du Geld verlierst. Deshalb solltest du bei deiner Altersvorsorge und Kapitalanlage weitestgehend auf Garantien verzichten.

Die Lösung

Garantien in der Altersvorsorge
Diversifikation / Streuung von Risiken ist die Lösung

Wenn du auf Sicherheit nicht verzichten möchtest, solltest du andere Wege wählen. Den wichtigsten haben wir oben kurz erläutert: Diversifikation oder Streuung. In dem du dein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilst, gleichen sich Schwankungen aus. Außerdem solltest du vor allem bei Aktien auch in verschiedene Branchen und Länder investieren und nicht nur z.B. in mexikanische Bierproduzenten (Mexiko ist der größte Bierexporteur der Welt). Das geht über Indexfonds und ETFs am einfachsten.

Außerdem kann die Zeit nicht nur dein größter Feind sein (wenn du auf Garantien setzt), sondern auch dein größter Freund. Natürlich schwankt dein Aktiendepot oder der Wert deines Vermögens insgesamt. Gehen die Kurse mal runter, siehst du einen Verlust. Der macht Angst und tut weh. Das zeigen Untersuchungen immer wieder. Diese Untersuchungen zeigen auch, dass wir einen Verlust viel stärker empfinden als einen gleichhohen Gewinn. Das nennt man Verlustaversion. Hier solltest du aber dennoch ruhig bleiben. Einen Verlust erzielst du ja erst, wenn du in genau der Phase verkaufst.

Auch die Sorge, dass du zum Rentenbeginn in einer Talfahrt steckst, ist eher unbegründet. Denn: Du brauchst ja nicht zu Rentenbeginn an einem Tag dein ganzes Vermögen. Sondern so wie du kontinuierlich dein Vermögen mit monatlichen Beträgen aufgebaut hast, so kontinuierlich entnimmst du dann jeden Monat einen kleinen Betrag. Über die lange Zeit machen dir so kurzfristige Schwankungen nichts aus. Das ist zwar langweiliger, als mit einer Aktie zu spekulieren, sorgt aber für garantiert ruhige Nächte.

Garantien in der Altersvorsorge – Fazit

Verzichte bei deiner Altersvorsorge und deinem Vermögensaufbau besser auf Garantien und setze auf echte Sicherheiten. Gern unterstützen wir dich bzw. wir euch dabei!

Schreibt uns einfach eine Mail oder hinterlasst uns eine Sprachnachricht…

  • stephan-busch@progress-dresden.de /// 0176/60001385

Viele liebe Grüße Claudi + Tom + Stephan

Du hast noch Fragen zum Thema Versicherungen und finanzielle Absicherung?




Seit 2011 sind Stephan Busch und Tom Wonneberger die PROGRESS Finanzplaner. In ihrem Blog erklären sie alles rund um Versicherungen und Finanzen - einfach und verständlich. Weitere Infos findest Du auf der Über Uns Seite.


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