Führerschein

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Laut Verbraucherschützern werden geschätzte 50 Mrd. Euro in Deutschland aufgrund von Falschberatung jährlich verbrannt. Um diese Seuche einzudämmen, reagiert die Politik mit Regulierung, Gesetzen und Verordnungen: Mindestqualifikation, ständige Weiterbildung, Beratungsprotokolle, Offenlegung von Kosten und so weiter und so fort. Immer neue Vorschriften sollen helfen, „gute“ Beratung zu etablieren. Doch scheinbar hilft es nicht viel. Die Finanzskandale werden nicht weniger. Kann es sein, dass die Politik am falschen Ende angefangen hat?

Fakt ist: Die Regulierung ist in weiten Teilen richtig. Dass ein „Berater“ oder Vermittler eine Mindestausbildung vorweisen muss, kann niemand falsch finden. Fraglich ist aber, ob die tausenden Seiten Informationen, Produktinformationsblätter und Beratungsprotokolle dem Kunden wirklich weiterhelfen.

Was wir tagtäglich in unserer Arbeit erleben, zeigt uns nämlich eine zweite, bittere Wahrheit. „Der“ Kunde ist genauso schuld an diesen 50 Milliarden. Wie kommen wir darauf?

Derzeit geistert ein neues Modewort durch das Land: Financial literacy, zu Deutsch: Finanzielle Allgemeinbildung. Beides gehört zusammen: die 50 Milliarden und financial literacy. Diese finanzielle Allgemeinbildung meint, die Fähigkeiten im Umgang mit Geld. Und da ist Deutschland scheinbar ein Entwicklungsland. Die „Alphabetisierungsquote“ ist also sehr gering. Je geringer diese (abstrakte) Quote, desto einfacher fällt es Banken, Versicherungen, aber auch Kaufhäusern den Verbrauchern ihren Schrott anzudrehen.

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Wer die Schäden aus Falschberatung also wirklich nachhaltig bekämpfen will, kommt um die Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung der Bevölkerung nicht umhin. Aus genau diesem Grund ist die eindimensionale Betrachtung des Themas unzweckmäßig. Es reicht eben nicht, auf die bösen Vermittler einzudreschen und den Verbraucher zu entmündigen. Wir wollen keinen paternalistischen Staat, der alles und jeden regelt und reguliert. Zumal es wesentlich effektiver ist, die Verbraucher zu befähigen. Letztlich kann ein gerissener Verkäufer oder Betrüger jedes Gesetz irgendwie umgehen oder eben einfach missachten. Wenn die Verbraucher aber Lockangebote und Schrottimmobilien erkennen, fallen sie nicht mehr darauf herein.

Die einfache Erkenntnis, dass man auf Dauer nicht mehr Geld ausgeben kann, als man einnimmt, scheint flächendeckend abhanden gekommen zu sein. Sicher ist das Konsumangebot verlockend, doch die Vernunft muss eigentlich stärker sein, ist sie aber oft nicht! Vielfach machen sich die verschiedenen Anbieter, Berater und Vermittler doch nur die „Dummheit“ der Menschen zu nutze. Ist das schon moralisch verwerflich? Illegal ist es jedenfalls nicht. Moralisch verwerflich ist es vom Staat, die Bürger völlig ohne Kenntnis über einfachste wirtschaftliche Zusammenhänge in das Leben zu entlassen.

Genau hier wollen wir ansetzen. Wir wollen die Verbraucher, Kreditnehmer, Versicherten und Konsumenten bilden und ihnen das Rüstzeug an die Hand geben, um auf Augenhöhe mit ihrem Berater zu sprechen.

Daraus ist die Idee eines Führerscheins entstanden. Wer Autofahren möchte, muss in einer theoretischen und praktischen Prüfung beweisen, dass er die grundlegenden Fähigkeiten für die Teilnahme am Straßenverkehr besitzt. Kein Mensch kommt auf die Idee, den Autobauern vorzuschreiben, dass die Autos nur noch 30 km/h fahren dürfen, weil zu schnelles Autofahren gefährlich ist. In der Finanzbranche tut die Regierung aber genau das. Stattdessen sollte in der Schule der Praxisbezug zur Welt da draußen gewagt werden. Dort könnte das theoretische Rüstzeug vermittelt werden. Warum nicht Prozentrechnung mit praktischen Aufgaben verknüpfen? Beispielsweise könnten die Kinder verschiedene Kreditangebote von Banken durchrechnen, und am Ende feststellen, welch großer Unterschied die „paar“ Prozente machen. Die Lektionen, die dabei gelernt werden, hallen noch Jahrzehnte nach. Ganz nebenbei wird die natürliche Neugier angeregt, wenn das Rechnen einen praktischen Nutzen hat.

Was hat das eigentlich mit uns zu tun? Nun, wir planen eben diesen „Führerschein“. Wie der aussehen soll? Keine Ahnung! Was der beinhaltet? Wissen wir noch nicht! Bringt das überhaupt etwas? Sind wir uns nicht sicher! Aber hey, wir probieren es einfach. Am Ende steht vielleicht ein Instrument, das den Menschen hilft, besser mit ihren Finanzen klar zu kommen. In jedem Fall aber, werden wir bis dahin einige Erfahrung gemacht haben, die wir euch mitteilen werden. Wenn es Neuigkeiten gibt, halten wir euch auf dem Laufenden.

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Seit 2011 sind Stephan Busch und Tom Wonneberger die PROGRESS Finanzplaner. In ihrem Blog erklären sie alles rund um Versicherungen und Finanzen - einfach und verständlich. Weitere Infos findest Du auf der Über Uns Seite.


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