Das Versicherungsprinzip

6 Kommentare

Was ist das Versicherungsprinzip? Wie funktioniert eigentlich eine Versicherung? Und wieso musst du mehr als andere einzahlen? Wir erklären es euch.

Was ist das Versicherungsprinzip?

Die Frage stellt sich so ziemlich jeder, der vor der Entscheidung steht, eine abzuschließen.

Eine Versicherung ist letztlich eine Art Gemeinschaft, ein sogenanntes Kollektiv, in dem viele (die Versicherten) einen kleinen Beitrag einzahlen (Versicherungsprämie) und im Schadenfall jemand eine definierte Versicherungsleistung erhält. Es gilt also das Prinzip „Alle für einen“. Die Versicherung selbst übernimmt dabei die Funktion der zentralen Sammelstelle der Beiträge und Leistungen.

Eine Versicherung ist also keine Wette, da du bei einer Versicherung weißt, wann du eine Leistung erhältst. Die Versicherung reduziert oder vermeidet die finanziellen Folgen eines Schadens.

Du hast noch Fragen zum Thema Versicherungen und finanzielle Absicherung?



Zwei stark vereinfachte Beispiele sollen das Versicherungsprinzip illustrieren.

Hausratversicherung: Eintausend Versicherte zahlen jährlich 100€ an die Versicherung, also insgesamt 100.000€. Ein Schadenfall, bei dem die komplette Einrichtung zerstört wird, kostet 50.000€. Was den Einzelnen in den Ruin treiben würde, kann die Versicherung problemlos auszahlen. Es beteiligen sich also alle Versicherten mit 50€ an dem Schadenfall.

Krankenversicherung: 100.000 Versicherte zahlen jedes Jahr 2.000€ an ihre Krankenkasse, also insgesamt 2 Millionen Euro. Alle gehen zum Zahnarzt, manche müssen Medikamente nehmen und einige wenige haben schwere Krankheiten. In unserem Beispiel leiden 10 an Krebs, deren Therapie gut 50.000€ im Jahr kostet. Es beteiligen sich also alle Kassenmitglieder mit 500€ an der Heilung der 10 Schwerkranken.

Wärst du in unseren Fällen der Unglücksrabe mit dem angebrannten Haus und oder einer der Krebspatienten und nicht in einer Versichertengemeinschaft, müsstest du teure Kredite aufnehmen oder wärst pleite. Die Verteilung der Risiken auf viele Personen begrenzt die Kosten des Einzelnen auf seinen Versicherungsbeitrag.

Voraussetzung: Risiko

Die Voraussetzung für eine Versicherung ist, dass das Risiko statistisch abschätzbar ist. Nur so kann die Versicherung den Beitrag für jeden Einzelnen berechnen. Ist das Risiko nicht abschätzbar (also ungewiss, denn ein Risiko ist immer statistisch erfassbar, Ungewissheiten nicht) oder beträgt die Eintrittswahrscheinlichkeit 100%, gibt es keine Versicherung. So macht eine Versicherung, die den Hinterbliebenen Geld zahlt, wenn der Versicherte stirbt und ein Leben lang läuft, keinen Sinn. Denn das Risiko irgendwann zu versterben beträgt 100%.

Eine Versicherung ist ebenfalls sinnlos bei Schäden, die du selbst bezahlen kannst. Klar ist es nett, von der Versicherung ein paar Euro für die neue Brille zu bekommen. Doch die Kosten für die Police übersteigen langfristig gesehen den Nutzen. Eine Versicherung solltest du nur dann abschließen, wenn die zu erwartenden finanziellen Folgen deine Leistungsfähigkeit übersteigen. Getreu dem „PROGRESS-Motto“: So viel Versicherung wie nötig, so wenig wie möglich.

Wie ensteht der Beitrag?

Wie kommt nun eigentlich der Beitrag für deine KFZ-Versicherung oder die Berufsunfähigkeitsversicherung zustande?

Der Versicherungsbeitrag (oder Prämie) besteht aus vier wesentlichen Punkten: Risikobeitrag, Puffer, Kosten, und Gewinnzuschlag.

Risikobeitrag

Der Hauptteil ist der Risikobeitrag. Die Versicherung – genauer: die Aktuare (Versicherungsmathematiker) – berechnen anhand von Statistiken die individuellen Wahrscheinlichkeiten jedes Einzelnen, dass der Versicherungsfall eintritt. So ist ein Gerüstbauer viel teurer, als ein Anwalt. Der Gerüstbauer wird viel wahrscheinlicher berufsunfähig. Junge Leute kosten in der KFZ-Versicherung viel mehr, denn junge Leute bauen mehr Unfälle. Aus dem Risikobeitrag aller Versicherten werden die Leistungen bezahlt (siehe oben).

Risikobeitrag

Der größte Teil des Beitrags fließt in die Risikodeckung

Puffer

Der Puffer dient als Reserve. Der Gesetzgeber zwingt (zu Recht) die Versicherungen, sehr vorsichtig zu rechnen. Die Verträge laufen ja zum Teil mehrere Jahrzehnte und wer weiß schon, was in 30 Jahren ist?! Aus diesem Grund müssen Versicherungen eine Reserve einbauen, um nicht pleitezugehen. So ist kaum abschätzbar, wie sich die Lebenserwartung wirklich entwickeln wird oder zu welchen Wetterereignissen der Klimawandel führt.

Kosten

Der Betrieb eines Versicherungsunternehmens verursacht Kosten. Da sind die Abschluss- und Vertriebskosten. Hierzu gehören die Provisionen für die Vertreter, die ganzen Unterlagen und die Antragsprüfung. Ein weiterer großer Posten sind die Gehälter der Mitarbeiter im Innendienst. Außerdem fallen Kosten wie in jeder anderen Firma an: Miete, Strom, Technik, Werbung.

Vertriebskosten

Die Kosten für den Vertrieb schlagen ordentlich zu Buche

Gewinnzuschlag

Der letzte Punkt ist der Gewinnzuschlag. Hier gibt es Unterschiede, je nachdem welche Rechtsform die Versicherung hat. Bei Aktiengesellschaften erwarten die Aktionäre ordentlich Dividende, am besten jedes Jahr mehr. Deshalb müssen Aktiengesellschaften tendenziell mehr Gewinn abschöpfen. Bei sog. Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit sind die Eigentümer der Versicherung die Versicherten, deshalb auf Gegenseitigkeit. Der größte Teil des Gewinns wird deshalb wiederum an die Versicherten ausgeschüttet.

Was ist, wenn ich keinen Schaden habe?

Und nun zur letzten Frage: Was machen die eigentlich mit deinem Geld, das du denen jeden Monat überweist? Der größte Teil deines Beitrags fließt postwendend wieder ans Kollektiv zurück. Das bekommen diejenigen Pechvögel, die krank oder berufsunfähig sind; in Ruhestand gehen oder ihr Fahrrad vermissen. Ein Teil bleibt in der Versicherung, um deren Kosten zu decken. Ein Teil wird am Kapitalmarkt angelegt, vor allem bei der privaten Altersvorsorge, aber auch z.B. bei einer Unfallversicherung. So gehören die Versicherer zu den größten Kapitalanlegern der Republik. Der Großteil der Gewinne, immerhin 45 Milliarden jedes Jahr, aus diesen Anlagen fließt wiederum zurück an die Versicherten. Tja und bei den Aktiengesellschaften holen sich die Aktionäre noch einen Teil von deinem Beitrag.

Zum Abschluss noch ein paar Zahlen aus der Welt der Versicherung:

  • Gesamtes Beitragsaufkommen 2018: ca. 202 Milliarden Euro
  • Gesamte ausbezahlte Leistungen 2017: 217 Milliarden Euro
  • Anzahl der Beschäftigten 2018: 492.000
  • Bestand an Kapitalanlagen 2017: 1.596 Milliarden Euro
  • Zahl der Lebensversicherungen 2018: 87 Millionen Stück

Aktualisiert am 29.12.2019

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Seit 2011 sind Stephan Busch und Tom Wonneberger die PROGRESS Finanzplaner. In ihrem Blog erklären sie alles rund um Versicherungen und Finanzen - einfach und verständlich. Weitere Infos findest Du auf der Über Uns Seite.


6 thoughts on “Das Versicherungsprinzip”

  1. Rico says:

    Sehr schöne Erklärung. Dabei sollte auch klar werden, dass die beliebte Aussage “ich habe so lange etwas einbezahlt, da steht mir nun auch mal was zu” keinen Sinn ergibt. Denn die Beiträge legt die Versicherung nicht auf die hohe Kante, sondern zahlt sie an andere Leistungsempfänger aus, die einen Schaden zu vermelden haben. Die beste Versicherung ist die, die man nicht braucht.

    Die Aktionäre bekommen die Dividende übrigens nicht, weil sie so gierig sind, sondern weil sie mit ihrem privaten Geld einen Teil des Kapitals bereitstellen, mit dem die Versicherung arbeitet. Wer denkt, die bekommen zu viel und sind gierig, kann sich ja selbst Aktien kaufen und mit der Dividende den Versicherungsbeitrag bezahlen. 🙂

    1. Tom Wonneberger says:

      Hallo Rico,

      vielen Dank. Richtig, deshalb ja auch unser Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Und der Dreiklang: Risiken vermeiden, reduzieren und dann erst versichern, vor allem im gewerblichen Bereich.

      Das mit den Dividenden ist korrekt, allerdings hat der “Dividendenzwang” Auswirkungen auf die Geschäftspolitik und ob die immer positiv sind, wage ich mal zu bezweifeln. Die Motive sind da eher zweitrangig. Ansonsten ist es natürlich immer sinnvoll, sich über Aktien oder Fonds direkt an produktiven Firmen zu beteiligen.

      Beste Grüße

      Tom

  2. Bendig says:

    wie verhält sich das Versicherungsprinzip mit dem Versorgungsausgelich, wenn der Ausgleichsberechtigte verstorben ist ?

    1. PROGRESS Blog says:

      Hallo Bendig,

      so ganz verstehe ich deine Frage nicht. Allerdings ist der Sinn einer Versicherung gegen den Todesfall ja die Absicheurng der Hinterbliebenen. Insofern trägt die Versichertengemeinschaft den Verlust einiger Weniger.

      Zielte deine Frage darauf oder auf etwas anderes ab?

      Viele Grüße

      Tom Wonneberger

  3. Daniela says:

    An sich sollte so die Finanzierung einer Versicherung funktionieren. Doch inzwischen mischen die meisten Versicherer am Finanzmarkt mit, ohne das Kapital dafür zu haben. Das Risiko ist sehr hoch und die Folge daraus sind leider, unverhältnismäßig hohe Betriebskosten und Bearbeitungskosten bei normalen Policen.

    1. PROGRESS Blog says:

      Liebe Daniela,

      danke für deinen Kommentar! Allerdings sind die Eigenkapitalvorschriften für Versicherer sehr streng. Da sist ein Grund, warum v.a. Lebensversicherer unzureichend am Kapitalmarkt “mitmischen” und stattdessen nach wie vor auf schlecht verzinste Wertpapiere wie Staatsanleihen setzen (müssen). Insofern können wir das nicht wirklich bestätigen. Hast du andere Infos dazu?

      Viele Grüße

      Tom Wonneberger

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