Was nun? #1- Erste Antworten auf gründungstypische Fragen

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Nach den ersten beiden Teilen “Selbstständigkeit? Nein Danke!” / “Wer sich nicht fragt bleibt!” geben wir heute Denkanstöße und beantworten gründungstypische Fragen: Businessplan, Förderprogramme, Berater, Netzwerke, Skalierbarkeit, Ideenklau, Scheitern, Firmenname und andere.

Du hast also Bock (gehabt) zu gründen? Herzlichen Glückwunsch für diesen sehr weitreichenden Schritt! Wie wir im letzten Beitrag geschrieben haben, gibt es nicht DIE Eigenschaft, die man mitbringen muss, um selbstständig zu sein oder zu werden. Vielmehr kommt es darauf an, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und zu tun, worauf man wirklich Lust hat.

Wann soll ich gründen?

Auch hier gilt: Es gibt nicht DEN Zeitpunkt. Jede Lebensphase hat ihre Vor- und Nachteile. Wer zunächst angestellt ist, kann Erfahrungen und Startkapital sammeln. Gründet dann aber womöglich mit familiären Pflichten, was ihn weniger flexibel macht. Wer kurz nach dem Studium gründet, steckt voller Mut, Enthusiasmus und jugendlicher Naivität, hat allerdings eben kaum Erfahrungen und Geld. Warum nicht mit Mitte 50 noch mal den Sprung ins kalte Wasser wagen? Ja warum nicht?! Die Kinder sind oftmals wieder aus dem Haus, Geld ist oftmals kein Problem, mehr Erfahrung geht nicht, allerdings ist auch die persönliche Leistungsfähigkeit und die Offenheit gegenüber Neuem meist viel geringer. Auch das Gründen IM Studium ist eine spannende Alternative. Man wird kaum jemals wieder die Zeit, Freiheit und Sicherheit haben, wie im Studium. Also: Statt im Café zu jobben, die eigene Rucksackfirma gründen? Ja! Es ist egal wann du dich entschließt zu gründen. Hauptsache, du tust es nicht aus der Not heraus, sondern, weil du Bock drauf hast!

Businessplan schreiben!

Ganz genau! Der erste Schritt ist der Businessplan. Dieses epochale Werk, das deine gesamte Gründungsidee von vorn bis hinten fest zementiert. Elevator-Pitch, Gründerteam, Base-Case, Kapitalflussrechnung, Rechtsformwahl und so weiter und so fort. Wenn du ganz schnell die Lust aufs Gründen verlieren willst, dann öffnest du jetzt bitte ein Worddokument und tust genau das: Business-Plan schreiben. Ja, wir haben auch mal einen Businessplan geschrieben. Und ja, er hat uns geholfen, unsere Idee grundsätzlich zu durchdenken. Aber glaubt ihr ernsthaft, dass dieses ganze Gerechne und Geschreibse nach einem Jahr zugetroffen hat? Bereits nach kurzer Zeit waren die Gedanken und Zahlenspiele – egal ob Worst- oder Bestcase – Makulatur. Warum? Weil keiner in die Zukunft blicken kann. Schreib dennoch deine Idee auf, mach dir Gedanken über deine Zielgruppe, deine Werbung, wie du möglicherweise damit mal Geld verdienen kannst und vor allem deine Vision, deine Marschrichtung, aber lass um Gottes Willen, das ganze Brimborium drumherum weg! In der Zeit kannst du besser ein schönes Buch lesen oder jemanden von deiner Idee berichten, das bringt dir weitaus mehr.

Hände weg von Förderprogrammen

Die haben vielleicht tolle Tipps! Businessplan soll ich keinen schreiben und mich nun auch noch von der dringend benötigten Förderung fern halten? Ja genau. Förderungen vernebeln nämlich den Blick aufs Wesentliche: Deine Idee. Oftmals wird dann die Idee bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, um Investoren oder eben Förderprogrammen zu genügen. Lass es lieber bleiben. Vor allem lass die Gründercoachings. Die sind – mit Verlaub – in 99% der Fälle rausgeschmissenes Geld. Die ersten ein, zwei Jahre geht es nicht darum, das große Geld zu verdienen, oder den bahnbrechenden Durchbruch auf die Beine zu stellen. Finde zunächst mal dich und deine Nische bzw. deinen Markt. Was macht dir wirklich Spaß? Wo liegen deine Defizite? Was bietest du überhaupt an? Vieles entsteht nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Vor allem deine Kunden zeigen dir, wenn du sie fragst, was sie wirklich erwarten oder an dir schätzen. Das kann dir kein Unternehmensberater sagen. Der zieht sein Programm nach Schema F durch, greift das Geld ab und fertig. Wir haben das bei einer ausreichenden Zahl von Gründern gesehen. Warte einfach ein oder zwei Jahre damit. Danach kannst du immer noch das Gründercoaching nutzen, nur dass es dir dann wesentlich mehr bringt.

Diese Unterstützung brauchst du

  1. Netzwerke: Probiere bestehende aus oder bau dir dein eigenes! Netzwerkpartner helfen dir dabei, dein Unternehmen zu verbessern, werden vielleicht selber Kunden oder ergänzen deine Dienstleistung. Dabei gilt: Geben ist seliger denn Nehmen. Geh bewusst in Vorleistung und es wird nicht lang dauern, bis sich der andere, womöglich völlig unerwartet revanchiert.
  1. IHK/HWK: Hier erhältst du viel Hilfe im kaufmännischen und branchenspezifischen Bereich. Oftmals kostenfrei (wenn du schon Mitglied bist) oder gegen eine geringe Gebühr. Außerdem gibt’s hier viele Weiterbildungsangebote.
  1. Berater: Also vor allem Steuerberater und Anwälte. Ja, es ist sinnvoll, sich vorab um das Thema Steuern zu kümmern und Geld in die Hand zu nehmen, um dieses wahre Tretminenfeld zu meistern. Auch rechtliche Beratung zu Anfang halten wir für eine der wichtigen Investitionen am Anfang. Zum Thema Finanzen kommst du am besten zu uns 😉
  1. Dienstleister: Am Anfang ist das Geld knapp, also versucht man an allen Ecken und Enden zu sparen. Das ist auch richtig und das Bestreben, unnötige Kosten zu vermeiden, solltest du nie ablegen. Allerdings gibt solltest du berücksichtigen, dass deine Arbeitszeit nichts anderes als Geld ist. Denn während du mühevoll an der Homepage bastelst, könntest du deine Kunden bedienen oder an deinem Produkt arbeiten. Es muss nicht immer gleich eine Rechnung sein. Möglicherweise bietet sich ein Tausch an. Versuche nicht, alles selbst zu machen. Als Unternehmer kommst du nicht umhin, zu investieren.

Diese Unterstützung kann sinnvoll sein

  1. Mentoren: Der ehemalige Uni-Dozent, ein Kunde, der eigene Onkel. Eigentlich kann jeder dein Mentor sein. Entscheidend ist, dass er oder sie kein finanzielles Interesse an dir hat. Mentoren sind keine Investoren und sollten es nie sein! Sobald Geld im Spiel ist, werden die Ratschläge beeinflusst. Habe keine Angst davor, jemanden um Rat zu fragen, ach einem Rat zu fragen kann der anderen Person das Gefühl geben, wichtig und nützlich zu sein. Ein Mentor kann dir helfen, klarer zu denken und dich mit neuen Menschen zu verbinden, die dir einen neuen Blickwinkel auf dich selbst bieten.
  1. Initiativen: Es gibt zahlreiche Gründungsinitiativen für die unterschiedlichsten Branchen und Zielgruppen. Dresden exists beispielsweise berät erfolgreich Unternehmen aus dem Tech-Bereich. Wir gestalten Dresden unterstützt Kreative. Das Kultur Büro hilft Künstlern und Kulturschaffenden. Es gibt noch viele weitere, die kurze Liste soll nur als Beispiel dafür dienen, dass es sinnvoll ist, sich umzuhören. Initiativen helfen beim Netzwerkaufbau, können dir handfeste Hilfe zum Aufbau deines Unternehmens bieten oder auch Ratschläge wie Mentoren. Dabei kann man nicht sagen, die sind gut und die sind schlecht. Es kommt vor allem auch auf das Zwischenmenschliche an. Also gilt hier ebenfalls: Einfach ausprobieren und offen für Neues sein.

Grau ist alle Theorie

Es gibt unzählige Bücher zum Thema Gründung und Unternehmensführung. Doch ein BWLer ist noch lange kein guter Unternehmer. Es reicht einfach nicht, in der Theorie Mitarbeiterführung durchdekliniert zu haben. Sobald der erste Praktikant auf der Matte steht, merkt man: das ist ein Mensch, mit seinen ganz eigenen Ansichten, Idee, Vorstellungen und Macken. Dennoch ist Lesen und Lernen aus Büchern ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum Unternehmer.

Wer unbedingt entgegen unserer Empfehlung einen Businessplan schreiben will oder muss, dem empfehlen wir Gründer Zeiten vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Auch wer auf den Businessplan verzichtet, sollte sich diese Seite einmal intensiv anschauen. Dort gibt es zahlreiche Broschüren zu verschiedenen Themen wie Recht, Steuern, Finanzierung und so weiter. Außerdem findet man dort ein Tool zur Erstellung eines Businessplans.

Der Unternehmensberater

Unternehmensberater kann jeder sein. Es gibt dafür keine Qualifikationsanforderungen wie bei Steuerberatern, Anwälten oder auch Versicherungsmaklern. Dadurch wird es schwer, einzuschätzen, ob der Berater nun wirklich gut ist oder nicht. Gerade Gründer sind eine beliebte Zielgruppe, da hier, wie oben gezeigt, enorme Förderung lockt. Über das KfW-Gründercoaching kann der Berater insgesamt 6.000€ abrechnen, davon trägt der Gründer 1.500€, die restlichen 4.500€ schießt die KfW zu. Wie oben beschrieben, halten wir vom Gründercoaching sehr wenig.

Allerdings finden wir den zielgerichteten Einsatz eines Beraters sehr wohl für sinnvoll. Vor allem, wenn man die ersten Hürden genommen hat und auf Wachstumskurs ist. Diese erste Schwelle stellt viele vor große Probleme: Mitarbeiter, neue Produkte, neue Zielgruppen, Spezialisierung usw. Hier können Berater und Trainer gute Dienste leisten. Wichtig ist, sich im Vorfeld bewusst zu machen, was man konkret möchte und erwartet. Zwischenschritte und nachprüfbare Teilergebnisse helfen dabei, auf Kurs zu bleiben und die Beratung nicht ins unendliche zu ziehen. Scheu dich auch nicht davor, eine Beratung zu beenden, wenn du das Gefühl hast, dass es sich nicht in die gewünschte Richtung entwickelt.

Damit gehts weiter:

            Berater vs. Team

            Muss meine Idee skalierbar sein?

            Muss ich Angst haben, dass meine Idee geklaut wird?

            Wie finde ich den optimalen Firmennamen?

            Einfach machen!

            Die ersten Schritte!

            Und wenn ich scheitere?

Bleibt gespannt!

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