Schulden, Haushaltsplan und finanzielle Freiheit

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Die Verschuldung der Privathaushalte hat sich in den letzten zehn Jahren höchst unterschiedlich entwickelt. Während in der Altersgruppe der 30 bis 69-Jährigen die Verschuldung zum Teil deutlich zurück gegangen ist, stieg sie in der Altersgruppe der  unter 30-Jährigen. Besonders extrem hat die Verschuldungssituation der unter 20-Jährigen zugenommen: von 2004 bis 2013 um über 300%! Mittlerweile ist 1 von 8 jungen Menschen verschuldet. Männer sind über alle Altersklassen hinweg dabei fast doppelt so häufig in den Miesen wie Frauen. Allerdings hat dieser Abstand abgenommen. Die Emanzipation ergreift wohl immer mehr Bereiche.

Woran liegt diese sehr unterschiedliche Unterwicklung?

Seit einigen Jahren entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland sehr positiv. Steigen die Beschäftigtenzahlen, sinkt im allgemeinen die Verschuldung. Von dieser Entwicklung haben vor allem Beschäftigte ab 30 profitiert, weniger jedoch junge unter 30 Jahren, die eher von atypischen Beschäftigungsverhältnissen betroffen sind.

Diesem strukturellen Merkmal steht ein gewissermaßen generationsabhängiges gegenüber. Auch wir in unserem Beratungsalltag bemerken das Phänomen, dass vor allem junge Menschen mit Schulden und Krediten zu uns kommen. Herrschte früher mehrheitlich die Ansicht, dass man für Konsum Geld zur Seite legen muss, wird heute scheinbar alles auf Pump gekauft. Dieses Problem ist für uns die Hauptursache der Verschuldungsproblematik jüngerer Leute. Während ältere Menschen vor allem aufgrund Immobilienerwerbs verschuldet sind, im besten Fall also damit Vermögen erwerben, sind junge Leute mehrheitlich aufgrund von Konsumausgaben verschuldet. Hier wird kein Vermögen aufgebaut, sondern vor allem verbraucht.

Was wird alles finanziert?

Eigentlich alles: klassisch das erste oder zweite Auto. Das ist Finanzierungsobjekt Nummer eins. Meist erstreckt sich die Finanzierung über mehr als fünf Jahre. Damit das Traumauto kein Traum bleibt, offerieren Banken zum Teil sittenwidrige Konstruktionen. Die Rate wird künstlich niedrig gehalten, so dass am Ende der Veranstaltung eine sehr hohe Abschlussrate ansteht. Diese kann selbstverständlich nicht bezahlt werden, sodass eine Anschlussfinanzierung erfolgt. Das Auto ist meist schon längst Schrott, da wird der Kredit noch fleißig abbezahlt. Uns sind dabei bereits Zinsen von 14% pro Jahr untergekommen.

Weiterhin werden viele Elektronikspielzeuge und Möbel mittels „0%-Finanzierungen“ gekauft. 0% klingt gut, ist aber Blödsinn. Die Zinsen sind einfach im Vorfeld auf das Produkt aufgeschlagen wurden.

Ein wahrer Exot unter den Finanzierungen war ein „Brillenabo“. Da wird die Brille von etwa 200€ über zwei Jahre bezahlt. Gehts noch?

Irgendwann wird das Brötchen beim Bäcker auf Pump gekauft.

Was ist nun der Ausweg?

Leider haben wir hier kein wirkliches Geheimrezept. Letztlich muss ein Sinneswandel vollzogen werden. Hier kommt unser Haushaltsplan ins Spiel. Im ersten Schritt schätzen die Mandanten ihre monatlichen Ausgaben, dabei gibt es bereits hier oft Überraschungen. Es ist eben manchmal ernüchternd, die gesamten Ausgaben eines Monats auf einem Haufen zu sehen. Im zweiten Schritt empfehlen wir den Mandanten, ein Haushaltsbuch zu führen. Egal ob mit Zettel und Stift, Excel oder als Handy-App. Hauptsache man erfasst alle, auch wirklich ALLE Ausgaben. Es macht nur Sinn, wenn auch der Kaffee zwischendruch oder das Mittagessen in der Kantine ebenfalls aufgeschrieben wird, denn gerade die kleinen Posten summieren sich auf ein hübsches Sümmchen. Ziel der Übung ist es nicht, den Mandanten zu quälen, sondern ein Gefühl für das Geld (wieder) entwickeln. Wir führen seit Jahren ein Haushaltsbuch. Mittlerweile ist es wie Zähneputzen: Am Abend schnell die Ausgaben des Tages eingetragen und fertig. Wir weisen uns Budgets für Freizeit, Konsum, Handy etc. Zu und behalten so unsere Ausgaben im Griff. So kann ich beispielsweise frühzeitig erkennen, ob ich mein Limit für den Monat erreicht oder noch Luft habe. Nach einigen Monaten wird man routiniert im Umgang mit dem Haushaltsbuch und wesentlich entspannter. Da man sich nicht mehr bang fragen muss: Reicht das Geld? Vielmehr weiß man es ganz genau.

Daneben ist es von entscheidender Wichtigkeit Geld zur Seite zu legen. Wir empfehlen immer etwa drei Monatsausgaben täglich verfügbar auf einem Tagesgeldkonto, unter dem Kopfkissen oder sonstwo zu haben. Damit kann man auf unvorhergesehene Ausgaben, wie die kaputte Waschmaschine oder den Schlüsseldienst ohne Probleme reagieren. Wenn man eine größere Ausgabe plant, muss Geld dafür solange zur Seite gelegt werden, bis man es sich aus eigener Kraft leisten kann. Punkt. Wenn ich es nicht schaffe, das Geld anzusparen, dann muss ich eben drauf verzichten.

Wer sich verschuldet, begibt sich freiwillig in den Sklavendienst und die Abhängigkeit der Bank. Einmal in einer Schuldenspirale ist es verdammt schwer, da wieder raus zu kommen. Einige unserer Beratungsfälle sprechen leider eine sehr deutliche Spirale.

Wenn man erstmal verschuldet ist, gilt es, da so schnell wie möglich rauszukommen. Das bedeutet, die eigenen Ausgaben sehr genau auf den Prüfstand zu stellen (müssen zwei Autos sein? Kann ich mir den Urlaub leisten? Warum einmal die Woche teuer essen gehen?) und somit Freiräume schaffen, um die Kredite abzutragen. Der Gipfel der Gedankenlosigkeit ist es, Schulden zu haben und gleichzeitig z.B. für die Altersvorsorge zu sparen. Die Zinsen auf Sparguthaben sind fast immer (und vor allem derzeit) deutlich niedriger, als die Zinsen, die für Kredite zu zahlen sind. Das heißt, wer gleichzeitig spart und Kredite abzahlt, macht kräftig Verlust. Das muss nicht sein!

Warum das Ganze?

Wer eine Weile ohne Schulden, aber dafür mit einer ordentlichen Rücklage lebt, weiß die Freiheit dieser Situation sehr zu schätzen. Es ist eben ein Unterschied, ob ein großer Teil des sauer verdienten Geldes postwendend zur Bank wandert oder von der Bank aufs eigene Konto fließt. Außerdem ist man jederzeit in der Lage auf unerwartete Ereignisse flexibel zu reagieren. Wenn der Lohn oder das BAföG mal später kommt, muss man nicht gleich schweißgebadet überlegen, wie die Miete zu bezahlen ist, sondern kann bequem auf die Rücklage zurückgreifen. Außerdem sollte man sich immer fragen, ob man wirklich den ganzen Schnickschnack braucht, den man sich da so kauft 😉

One thought on “Schulden, Haushaltsplan und finanzielle Freiheit”

  1. Julia says:

    Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

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