Für wen ist Coworking geeignet?

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Für wen ist Coworking geeignet? Ein Gastbeitrag von Julian von Gebhardi über Hintergründe, Vorteile und Stolperfallen des Trends der Stunde.

Die Hauptzielgruppe eines Coworking-Space

Wählt man diese nach Berufsbezeichnungen, werden oft folgende genannt: Freelancer, Entrepreneurs, Startups, Journalisten, kleine Unternehmen, Projektinitiatoren, Blogger, „Digital Nomads“ und und und.

Verständlicher ist es, die Zielgruppe durch Ihre Arbeitsweise zu beschreiben. Die meisten der jetzigen Coworker haben vorher „Home-Office“ betrieben. Das sind alle diejenigen, die selbst entscheiden wann und wo Sie arbeiten. Für die bekannten Probleme dieser Arbeitsweise wie u.a. Motivationstiefs, stagnierender Netzwerkaufbau, fehlender Austausch und Vernachlässigung der eigenen Privatsphäre, bietet ein Coworking-Space die passende Lösung.

Ohne in Details zu gehen, ist ein Coworking-Space ebenso attraktiv für die ersten „Außenstellen“ einer jungen Firma, Teamprojekte, Ausgründungen der Universität, Menschen, die Ihren Arbeitsalltag auffrischen und weitere Kontakte schließen möchten, gemeinnützige und ehrenamtliche Projekte oder auch die zeitlich begrenzte Erweiterung der eigenen Bürokapazitäten.

Fazit:

Die genaue Zielgruppe eines Coworking-Space ist anhand von Berufsbezeichnungen nicht zu benennen. Menschen, die Ihren Arbeitsalltag flexibel gestalten und sich gerne mit Gleichgesinnten austauschen möchten, sind letztendlich die Zielgruppe.

Was ist überhaupt ein Coworking-Space?

Ein Coworking-Space ist eine Art Community-Büro, wo Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume) auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis zur Verfügung gestellt werden. Mit vielen kreativen und unternehmerischen Mietern ermöglicht jeder Space die Bildung einer Community, welche mittels gemeinsamer Veranstaltungen, Workshops und weiterer Aktivitäten gestärkt werden kann.

Zu Anfang sind Coworking-Spaces oft aufgrund der Nachfrage nach günstigen Büros entstanden. Heute geht es eher ums Vernetzen und Nutzen von Synergien.

Ist ein Synergieeffekt immer vorhanden?

NEIN – Denn von nichts kommt auch nichts. Es gilt, einen Synergieeffekt zu wollen und sich dafür zu engagieren. Es gibt „Coworking-Spaces“, die lediglich aus übermäßigem Büroplatz entstanden sind. Die Gründung sollte jedoch aus der Motivation hervorgehen, gemeinsam einen Mehrwert zu schaffen und Synergieeffekte als eine Art Erfolgstool zu nutzen. Mit dem richtigen Mindset und viel Engagement kann ein Coworking-Space zu einem produktiven und dynamischen Konstrukt werden. Dort können neue Ideen generiert, Projekte initiiert und Menschen zusammengebracht werden.

Coworking – Hype oder nachhaltige Arbeitsstruktur?

Für mich ist Coworking eine positive gesellschaftliche Weiterentwicklung, die eine Zukunft hat. Als bestes Beispiel dafür sehe ich das “Silicon Valley” in den USA, in dem die hohe räumliche Konzentration von Unternehmern, Kreativköpfen und passionierten Gründern zu rasanten Innovationen führt. Dies spiegelt den Grundgedanken eines Coworking-Spaces in der Praxis wider. Viele „Macher“ und „Querdenker“ sind nah beieinander und in ständiger Wechselwirkung. Neue Projekte und Innovationen sind da nur eine Frage der Zeit.

Coworking unterstützt wichtige unternehmerische Aspekte

Ein ausgeprägtes Netzwerk sowie regelmäßiges Feedback von anderen Selbstständigen sind essenzielle Punkte für jeden Gründer. Diese werden in Gesprächen mit anderen Unternehmern häufig besonders hervorgehoben. Dabei ist es egal, ob man vor der eigenen Gründung steht oder schon über Jahre hinweg seine Geschäfte verfolgt. Neue Denkansätze und konstruktive Kritik sind in jeder Unternehmensphase Gold wert.

Aus diesem Grund werden Coworking-Spaces langfristig die erste Wahl für junge Gründer sein. Denn neben günstigen Mieten sind Feedback und Netzwerkaufbau die Grundsäulen eines Coworking-Space.

Erwartungen an einen Coworking-Space

Der ideale Coworking-Space bietet einen 24/7 Zugang, ein 50/50 Verhältnis von festen und flexiblen Arbeitsplätzen und bezieht Mitglieder in die Entscheidung über die Inneneinrichtung ein. Zu diesem Ergebnis kam das2nd Global Coworking Survey. Viele weitere Ergebnisse dieser Konferenz habe ich in die nächsten Abschnitte einfließen lassen.

Welcher Mehrwert ist der wichtigste?

Besonders wichtig ist Coworkern die Interaktion mit anderen Menschen (84%). Weiterhin sollte der Space flexible Arbeitszeiten (83%) sowie eine anregende Arbeits-Atmosphäre haben, die zu spontanen und zufälligen Projekten führt (82%). Neben diesen Synergieeffekten möchten drei Viertel aller Mitglieder ihr Wissen mit anderen teilen.

Unabhängigkeit, Offenheit und Community – Diese drei Begriffe haben den größten Wert für die meisten Mitglieder. Das Gefühl von individueller Unabhängigkeit und Zugehörigkeit (Community) unter einen Hut zu bringen, ist eine besondere Aufgabe eines Coworking-Space

Was nervt Coworker am meisten in ihrem Space?

Einer von vier Mietern ist mit dem Geräuschpegel unzufrieden. Weiteren 14% fehlt es an Privatsphäre, 8% ist der Preis zu hoch und nur 3% sind von anderen Mitgliedern genervt. Insgesamt klagte ein Drittel der Befragten.

Alle, die sich über den zu hohen Geräuschpegel beklagten, bewerteten ihren Space trotz dessen durchschnittlich mit 8.2 von 10. Mit einem Wert von 8.5 war der Durchschnittswert für Coworker ohne Klagen nur minimal höher. Dies macht sehr deutlich, dass die Klage über einen hohen Geräuschpegel nur eine minimale Wichtigkeit darstellt. Ein zu hoher Preis dagegen hatte einen größeren Einfluss.

Was mögen Coworker am liebsten an ihrem Space?

Vier von fünf Mitgliedern sympathisieren mit ihren Mitmietern und ca. 60% finden die Lage super. Interessanterweise wurden an nächster Stelle mit 53% die Betreiber gelobt.

Auch hier wurde geschaut, welchen Einfluss diese Faktoren auf die Bewertung des eigenen Spaces hatten. Entscheidend für eine sehr gute Bewertung war, dass Coworker gut mit Ihren Mitgliedern auskommen. Direkt danach kam wieder die Sympathie der Betreiber. War diese Vorhanden, wurde der Coworking-Space deutlich besser bewertet.

Diese Erkenntnis ist sehr interessant. Zum Teil wird versucht, den perfekten Arbeitstisch zu kreieren und mit besonderer Ausstattung zu werben. Fasst man die oben genannten Fakten zusammen, so steht fest, dass das Menschliche zwischen Mitglieder und Betreiber weitaus wichtiger ist.

Vorteile gegenüber konventionellen Büros

Die Antworten auf diese Frage wurden ebenfalls im 2nd Global Coworking Survey“ ausgekundschaftet. Das Ergebnis ist mehr als verblüffend.

Steigerung des Selbstvertrauens ist der größte Vorteil gegenüber traditionellen Büros.

Im Vergleich zu traditionellen Büros berichteten 90% der befragten Coworker über eine Steigerung des Selbstvertrauens. Neben großer Flexibilität ist hier die unterstützende Community bzw. deren Atmosphäre ausschlaggebend. Durch ständige Interaktionen einstehen schnell freundschaftliche Beziehungen, die das eigene Selbstbewusstsein fördern.

Coworker, die aus traditionellen Büros kommen arbeiten meist effektiver, fühlen sich wohler und weniger unter Zeitdruck gesetzt. Gründe sind hier die flexiblen Arbeitszeiten, die Wahl des Arbeitsplatzes und die Möglichkeit mit anderen Mitgliedern zu interagieren.

Weiterhin ist ein schnelles Wachstum des eigenen Netzwerks erkennbar. Oft führen die oben genannten Freiheiten und der ständige Austausch untereinander dazu, dass Netzwerkevents wieder öfter besucht werden. Wöchentliches Feedback von anderen Mitgliedern hilft ebenso Fehler zu erkennen und das eigene Wissen „up to date“ zu halten.

Fazit

Nachteile: Vorteile:
Geräuschpegel / Ablenkung / Verwicklung in Gespräche Kooperationsprojekte, spontane Projekte, Kollektivgefühl „Du stehst nicht alleine da“
Community-Netzwerk / Kontakte
Fehlende Privatsphäre Atmosphäre unter „Machern“, Gemeinsame Aktivitäten (Sport, Events, Social-Events)
Synergieeffekte, Feedback von anderen, Ideenreichtum durch Branchenvielfalt ;Gemeinsame Fehleranalysen oder ähnliches; wöchentlicher Erfahrungsaustausch; Interne Aufträge
Absprache bei Kundenterminen/Besprechungen,Individuelle Repräsentative Räumlichkeit Präsentationstechnik vorhanden, Veranstaltungen und größere Verhandlungen räumlich möglich ; Fläche zur Durchführung von Workshops
Lange Telefongespräche am Arbeitsplatz Telefontechnik und -nummer; Gespräche ohne Kosten ;Evtl. extra Räumlichkeit zum Telefonieren
Kann nicht laut am Arbeitsplatz reden Klare Trennung von aktiver Arbeitsfläche und passiver Fläche für Gespräche und Termine
Hochkonzentriertes Arbeiten nicht immer möglich evtl. extra Arbeitsraum für konzentriertes Arbeiten
Teilweise hohe Mietkosten für einen Tisch Kosteneinsparungen Nebenkosten, vergünstige Essmöglichkeiten,Küchenfläche mit Kühlschrank, möglicher Rabatt bei Support-Partnern
Bei vielen Angelegenheiten muss man Kompromissbereit sein Unterstützung in Krisensituationen

Zusammenfassend kann man sagen, dass Coworkingspaces aufgrund Ihrer hohen individuellen Flexibilität sowie starker Interaktion der Mitglieder untereinander, einen besonderen Mehrwert bieten. Letztendlich erfreut sich das neue Coworking-Mitglied an einem schnell wachsenden Netzwerk sowie einem gesteigerten Selbstbewusstsein.

Interview mit Thomas Jakel

(Geschäftsführer, Autor, Gründer und Weltveränderer)

Zu meiner Freude konnte ich den Kontakt zu Thomas Jakel aufbauen, der Fragen zum Thema Coworking für mich beantwort hat. Er selbst ist u.a. Geschäftsführer von Strandschicht, einer Agentur für virtuelle Assistenten, Mitgründer des Coworking Spaces „Idea Camp“ in Berlin sowie Initiator des Social-Projektes „Guts for Change“, für das er mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien geradelt ist.

Hier geht’s zum Interview.

Dass er sich für meine Fragen Zeit genommen hat, bedeutet mir sehr viel. Denn er ist der Autor des Startup Kompaktkurses „Step by Step zum eigenen Startup“, das auch meine Gründungs-Anfänge begleitet hat.


Ein Gastbeitrag von Julian von Gebhardi

Julian von Gebhardi

Ich bin 26 Jahre alt und brenne für die schnelle, praktische und günstige Umsetzungen von Gründungsideen. Vor nur knapp einem Jahr entschied ich mich, die Uni erst einmal hinter mir zu lassen und gründete den plastikfreien Onlineshop „Laguna“. Kurz darauf startete ich die „Kampagne mit Herz“, womit ich über 1000€ für Kinderheime sammelte und wieder vier Monate später begann ich mit dem Aufbau eines Coworking-Spaces, mein nächstes großes Projekt.

www.collabandcouch.de

www.laguna-onlineshop.de

www.kampagnemitherz.de

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