Das Versicherungsprinzip

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Was ist das Versicherungsprinzip? Wie funktioniert eigentlich eine Versicherung? Und wieso muss ich mehr als andere einzahlen? Wir erklären es euch.

Was ist das Versicherungsprinzip?

Die Frage stellt sich so ziemlich jeder, der vor der Entscheidung steht, eine abzuschließen.

Eine Versicherung ist letztlich eine Art Gemeinschaft, ein sogenanntes Kollektiv, in dem viele (die Versicherten) einen kleinen Beitrag einzahlen (Versicherungsprämie) und im Schadenfall jemand eine definierte Versicherungsleistung erhält. Es gilt also das Prinzip „Alle für einen“. Die Versicherung selbst übernimmt dabei die Funktion der zentralen Sammelstelle der Beiträge und Leistungen.

Versicherungsprinzip

Eine Versicherung ist also keine Wette, da ich bei einer Versicherung weiß, wann ich eine Leistung erhalte. Auch dient die Versicherung zur Reduzierung oder Vermeidung der finanziellen Folgen eines Schadens.

Zwei stark vereinfachte Beispiele sollen das Versicherungsprinzip illustrieren.

Hausratversicherung: Eintausend Versicherte zahlen jährlich 100€ an die Versicherung, also insgesamt 100.000€. Ein Schadenfall, bei dem die komplette Einrichtung zerstört wird, kostet 50.000€. Was den Einzelnen in den Ruin treiben würde, kann die Versicherung problemlos auszahlen. Es beteiligen sich also alle Versicherten mit 50€ an dem Schadenfall.

Krankenversicherung: 100.000 Versicherte zahlen jedes Jahr 2.000€ an ihre Krankenkasse, also insgesamt 2 Millionen Euro. Alle gehen zum Zahnarzt, manche müssen Medikamente nehmen und einige wenige haben schwere Krankheiten. In unserem Beispiel leiden 10 an Krebs, deren Therapie gut 50.000€ im Jahr kostet. Es beteiligen sich also alle Kassenmitglieder mit 500€ an der Heilung der 10 Schwerkranken.

Wären in unseren Fällen der Unglücksrabe mit dem angebrannten Haus und die 10 Krebspatienten nicht in einer Versichertengemeinschaft, müssten sie teure Kredite aufnehmen oder wären pleite. Die Verteilung dieser Risiken auf viele Personen begrenzt die Kosten des Einzelnen auf seinen Versicherungsbeitrag.

Voraussetzung: Risiko

Die Voraussetzung für eine Versicherung ist, dass das Risiko statistisch abschätzbar ist. Nur so kann die Versicherung den Beitrag für jeden Einzelnen berechnen. Ist das Risiko nicht abschätzbar (also ungewiss, denn ein Risiko ist immer statistisch erfassbar, Ungewissheiten nicht) oder beträgt die Eintrittswahrscheinlichkeit 100%, kann es keine Versicherung geben. So macht eine Versicherung, die den Hinterbliebenen Geld zahlt, wenn der Versicherte stirbt und ein Leben lang läuft, keinen Sinn, da das Risiko 100% beträgt, irgendwann zu versterben.

Eine Versicherung ist ebenfalls sinnlos bei Schäden, die der Versicherte selbst bezahlen kann. Klar ist es nett, von der Versicherung ein paar Euro für die neue Brille zu bekommen, die Kosten für die Police übersteigen langfristig gesehen den Nutzen. Eine Versicherung sollte nur dort gekauft werden, wo die zu erwartenden finanziellen Folgen die eigene Leistungsfähigkeit übersteigen. Getreu dem „PROGRESS-Motto“: So viel Versicherung wie nötig, so wenig wie möglich.

Wie ensteht der Beitrag?

Wie kommt nun eigentlich der Beitrag für meine KFZ-Versicherung oder die Berufsunfähigkeitsversicherung zustande?

Der Versicherungsbeitrag (oder Prämie) besteht aus vier wesentlichen Punkten: Risikobeitrag, Puffer, Kosten, und Gewinnzuschlag.

Der Hauptteil ist der Risikobeitrag. Die Versicherung – genauer: die Aktuare (Versicherungsmathematiker) – berechnen anhand von Statistiken die individuellen Wahrscheinlichkeiten jedes Einzelnen, dass der Versicherungsfall eintritt. So ist ein Gerüstbauer viel teurer, als ein Anwalt, da das Risiko, berufsunfähig zu werden beim Gerüstbauer viel höher ist. Oder junge Leute kosten in der KFZ-Versicherung viel mehr, da laut Statistiken junge Leute mehr Unfälle bauen. Aus dem Risikobeitrag aller Versicherten werden die Leistungen bezahlt (siehe oben).

Risikobeitrag

Der größte Teil des Beitrags fließt in die Risikodeckung

Der Puffer dient als Reserve. Versicherungen werden vom Gesetzgeber (zu Recht) gezwungen, sehr vorsichtig zu rechnen, da die Verträge zum Teil mehrere Jahrzehnte laufen und wer weiß schon, was in 30 Jahren ist?! Aus diesem Grund müssen Versicherungen eine Reserve einbauen, um wegen solchen unvorhergesehenen Schäden und Entwicklungen nicht pleitezugehen. So ist kaum abschätzbar, wie sich die Lebenserwartung wirklich entwickeln wird oder zu welchen Wetterereignissen der Klimawandel führt.

Weiterhin verursacht der Betrieb eines Versicherungsunternehmens Kosten. Da sind die Abschluss- und Vertriebskosten, die ja derzeit heiß diskutiert werden. Hierzu gehören die Provisionen für die Vertreter, die ganzen Zettel, die gedruckt werden müssen und die Antragsprüfung. Weiterhin müssen die Mitarbeiter im Innendienst bezahlt werden, Miete, Strom, Technik, Werbung; halt alles, was in einer großen Firma anfällt.

Vertriebskosten

Die Kosten für den Vertrieb schlagen ordentlich zu Buche

Der letzte Punkt ist der Gewinnzuschlag. Hier gibt es Unterschiede, je nachdem welche Rechtsform die Versicherung hat. Bei Aktiengesellschaften erwarten die Aktionäre ordentlich Dividende, am besten jedes Jahr mehr. Deshalb müssen Aktiengesellschaften tendenziell mehr Gewinn abschöpfen. Bei sog. Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit sind die Eigentümer der Versicherung die Versicherten, deshalb auf Gegenseitigkeit. Der größte Teil des Gewinns wird deshalb wiederum an die Versicherten ausgeschüttet.

Was ist, wenn ich keinen Schaden habe?

Und nun zur letzten Frage: Was machen die eigentlich mit meinem Geld, was ich denen jeden Monat überweise? Der größte Teil deines Beitrags fließt postwendend wieder ans Kollektiv zurück, an diejenigen Pechvögel, die krank oder berufsunfähig geworden, in Ruhestand gegangen sind oder deren Fahrrad geklaut wurde. Ein Teil bleibt in der Versicherung, um deren Kosten zu decken. Ein Teil wird am Kapitalmarkt angelegt, vor allem bei der privaten Altersvorsorge, aber auch z.B. bei einer Unfallversicherung. So gehören die Versicherer zu den größten Kapitalanlegern der Republik. Der Großteil der Gewinne, immerhin 45 Milliarden jedes Jahr, aus diesen Anlagen fließt wiederum zurück an die Versicherten. Tja und bei den Aktiengesellschaften holen sich die Aktionäre noch einen Teil von deinem Beitrag.

Zum Abschluss noch ein paar Zahlen aus der Welt der Versicherung:

Gesamtes Beitragsaufkommen 2012: ca. 180 Milliarden Euro

Gesamte ausbezahlte Leistungen 2012: 144 Milliarden Euro

Anzahl der Beschäftigten 2012: 555.000

Bestand an Kapitalanlagen 2012: 1.285 Milliarden Euro

Zahl der Lebensversicherungen 2012: 94 Millionen Stück

2 thoughts on “Das Versicherungsprinzip”

  1. Rico says:

    Sehr schöne Erklärung. Dabei sollte auch klar werden, dass die beliebte Aussage “ich habe so lange etwas einbezahlt, da steht mir nun auch mal was zu” keinen Sinn ergibt. Denn die Beiträge legt die Versicherung nicht auf die hohe Kante, sondern zahlt sie an andere Leistungsempfänger aus, die einen Schaden zu vermelden haben. Die beste Versicherung ist die, die man nicht braucht.

    Die Aktionäre bekommen die Dividende übrigens nicht, weil sie so gierig sind, sondern weil sie mit ihrem privaten Geld einen Teil des Kapitals bereitstellen, mit dem die Versicherung arbeitet. Wer denkt, die bekommen zu viel und sind gierig, kann sich ja selbst Aktien kaufen und mit der Dividende den Versicherungsbeitrag bezahlen. 🙂

    1. Tom Wonneberger says:

      Hallo Rico,

      vielen Dank. Richtig, deshalb ja auch unser Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Und der Dreiklang: Risiken vermeiden, reduzieren und dann erst versichern, vor allem im gewerblichen Bereich.

      Das mit den Dividenden ist korrekt, allerdings hat der “Dividendenzwang” Auswirkungen auf die Geschäftspolitik und ob die immer positiv sind, wage ich mal zu bezweifeln. Die Motive sind da eher zweitrangig. Ansonsten ist es natürlich immer sinnvoll, sich über Aktien oder Fonds direkt an produktiven Firmen zu beteiligen.

      Beste Grüße

      Tom

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