Antje Dahm – Festspielsommer, Arbeitsberge und der private Himalaya

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Was?! – schon Ende August und der Festspielsommer ist vorbei?! Wie doch die Zeit vergeht! Ich plante, die letzten zweieinhalb Monate Dresden und meine neue Werkstatt zu verlassen, um für eine weitere Festspielsaison in Bayreuth meine Zelte aufzuschlagen. Allen Vertrauten ist bekannt in welcher gesundheitlichen Verfassung ich eine kleine Weile Abstand von Dresden nahm, um mich voll in die Arbeit zu stürzen.

Und was habe ich in der Zeit erlebt und mitgenommen?

Ich glaube, der Satz: „Legt das Leben dir Steine in den Weg, bau was schönes draus.“ könnte ich für diese Saison zum Leitfaden nominieren. Von meinem persönlichen Dresdner Gefühlshimalaya bin ich sozusagen in den Bayreuther Kaukasus gewandert.

Drei Lektionen habe ich gelernt und verinnerlicht.

Lektion 1: Man lernt aus allem

Zerreißprobe

Diese Saison war eine Zerreißprobe für meine Nerven, ein Test wie lange ich Ruhe bewahren kann und eine brachiale Probe in Sachen „Konsequenz zeigen“.

Unsachliche Personalgespräche und persönliches Gängeln haben mich dazu getrieben, die Reißleine zu ziehen. Da hatte mich Dresden plötzlich und ungeplant drei Wochen eher wieder. Sehr zum Bedauern der vielen lieben Kollegen, die hinter mir stehen und mit denen ich wieder das wundervolle, entspannte und amüsante Arbeiten Hand in Hand genoss. An dieser Stelle an alle lieben Glückwünscher, Drück-Gruß-Sender und Kraftspender ein großes Dankeschön. Ihr habt mich in meiner Entscheidung bestärkt.

Und nun?

Lektion 2: Es geht immer weiter

Die Werkstatt, die Jungs von Nordwerk Design und viele liebe und kreative Menschen freuten sich! Ich war gefühlt noch gar nicht richtig angekommen, schon türmte sich ein riesiger Berg an Arbeit vor mir auf. Und mein persönliches Himalayagebirge war noch genauso präsent wie zwei Monate zuvor.

Nun, ich hab schon zu Beginn der Selbständigkeit die Ansicht vertreten, dass es gesünder ist, sich seine Kraft und Zeit einzuteilen, denn ich möchte ja gern auch mit 60 noch meinem Traumberuf nachgehen und zwar fit und gesund, statt ächzend und quälend. Die Ansicht ist auch gut und schön, aber ich bin wohl erst jetzt im Begriff, sie so richtig zu verinnerlichen. Ich wollte mich wirklich gern gleich auf den majestätischen Berg stürzen und ihn erklimmen, doch da fehlte etwas Entscheidendes: Kraft.

Durchatmen Antje! Statt die letzten Energiereserven gnadenlos zu verpulvern, entschied ich mich für den Versuch, ein wenig mehr durchzuatmen. Mit etwas mehr Ruhe ging es ans Schlachtpläne bauen, Projekte planen und mich neu Sortieren.

Himalaya

Lektion Nummer 3: Nichts geht allein

Wenn man zwischen zwei unbezwingbar wirkenden Bergen an Aufgaben, sowohl beruflich als auch privat, steht und der Pfad vor einem bedrohlich steinig wirkt, kann man schon mal den Überblick, die Weitsicht und die Sicherheit unter den Füßen verlieren. In einem Unternehmerteam hat man immer mindestens einen Partner, der einen wieder in die Spur schickt, Halt gibt, einen antreibt oder zur Not wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Als „Einzelgänger“ sind in der Hinsicht Vertrauenspartner und ein unterstützendes Netzwerk der Offenheit und Ehrlichkeit wichtig.

Ich habe in den letzten Monaten begriffen, dass der Satz „Ich bin das Unternehmen“ nicht nur bedeutet, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen und mich fachmännisch, glänzend zu präsentieren. Da erweiterte sich die Bedeutung mit den letzten, gemachten Erfahrungen. Nun bedeutet es vielmehr: Ich zeige mich offen und ehrlich. Zeige, dass ich ein Mensch mit Grenzen und keine Maschine bin. Wenn ich das Unternehmen bin, ist mein Unternehmen auch automatisch Teil meines Privatlebens. Dieses Privatleben nimmt Einfluss auf mich, meine Gesundheit, meine Leistungsfähigkeit und natürlich meine Selbständigkeit. „Trenne Beruf- und Privatleben“ ist meiner Ansicht nach also mit Vorsicht zu genießen. Vor allem wenn man, wie ich, Beruf als Berufung betrachtet und seine Selbständigkeit mit Leidenschaft lebt und zwar täglich, jede Stunde, jede Minute. Ich sehe den Beruf nicht als ein notwendiges Übel, um Geld für ein ruhiges, geregeltes Alltagsleben zu verdienen. Es geht mir viel mehr darum, meinem inneren Bedürfnis der kreativen Entfaltung nachzugehen. Mit den eigenen Händen, mit Köpfchen und mit anderen zusammen in Kunst, Design und Unterhaltung etwas zu erschaffen und zu bewegen.

Was also tun, wenn ich in einer persönlichen Krise stecke und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe?

Das genannte Netzwerk aktivieren, Zähne zusammenbeißen und –so selbst-& eigenständig ich auch gern sein mag- mit offenen Karten spielen, Hilfe suchen!

Natürlich helfen Freunde, Familie und auch Ärzte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aber genauso das berufliche Netzwerk ein riesiges Auffangnetz ist. Maskenbildner, Chefs anderer Unternehmen, Fotografen, Designer, Finanz- und Versicherungsberater, Ingenieure, Webdesigner…alle, die bei irgendeiner Baustelle die fachliche Kompetenz besitzen, reichen die Hand. Ich musste nur fragen. Ich war und bin immer noch so positiv überrascht, wie viele bis zum jetzigen Stand mir nicht nur beruflich die Hand gereicht haben. Da standen plötzlich zig Betten & Sofas zur Übernachtung parat, wo vorher kein einziger Schlafplatz zu sehen war. Da waren offene Ohren und Augen, die ich alleine nur je zwei an der Zahl habe. Da waren Verständnis und etliche andere private Geschichten die zeigen, dass alle Unternehmer „auch nur Menschen sind“. Da eröffneten sich neue Wege und Ideen, an die ich als Einzelkämpfer zuvor nicht zu denken gewagt habe.

Und plötzlich ist der Weg nicht mehr so steinig und man hat ein Arsenal an Werkzeugen und Verpflegung dabei, um sich mutig an die Besteigung der beruflichen und privaten Gebirge zu wagen.

Nun will ich in kleinen kraftvollen Schritten die liegen gebliebene Werkstattrenovierung vorantreiben. Die Holzbestellung für Arbeitsflächen und Regale ist auf dem Weg! Neue Fotoprojekte, potenzielle Kooperationen und Vorstellungen stehen auch schon Schlange.

Mir ist in den letzten Monaten wirklich enorm bewusst geworden, was Netzwerk bedeutet! Danke an alle, die sich angesprochen fühlen, ihr seid großartig.

Netzwerk

Es geht voran. Ihr dürft gespannt sein! Und sicher: Ihr hört oder lest von mir, wenn wieder ein Höhenmeter geschafft ist!


Antje Dahm, 25, Diplom Designer (FH) Maskenbild, als freischaffende Maskenbildnerin in Sachsen und ganz Deutschland unterwegs.

Antje Dahm

Die Möglichkeit jemanden optisch komplett zu verändern und in einer theatralen, fotografischen oder filmischen Inszenierung Zuschauer bzw. Betrachter in andere Welten eintauchen zu lassen, übt auf sie eine große Faszination aus. Sie wollte von Kleinauf unbedingt fantastische Figuren lebendig werden lassen, verstehen wie und mit welchen Mitteln das funktioniert.

Die Neugier treibt sie weiter, hin zu neuen Projekten im Bereich Fotografie & Events (Imageprojekte, Messen, Fashionshows, jegliche Projekte gewerblicher Art), Film- & Fernsehproduktionen, Inszenierungen für die Bühne (Theater, Oper, Ballett, Musical), zusammen mit Privatkunden (Hochzeiten, Fotoshootings und andere Events). und nun auch zum Verfassen von Gastbeiträgen.

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