Anlegerpsychologie

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Aktien gelten als unverzichtbar für den Vermögensaufbau und die Altersversorgung, doch machen Aktien nur etwa 14% des Geldvermögens der Deutschen von über 5.000 Milliarden Euro aus. Den größten Batzen haben die Banken mit 2.000 Milliarden und die Versicherungen mit 1.500 Milliarden. Doch trotz der äußerst niedrigen Zinsen, die Bank- und Versicherungsprodukte abwerfen und der hohen Kosten, ändert sich daran nicht sehr viel. Das ist mehr als paradox und lohnt einen Blick in die Anlegerpsychologie.

Doch zunächst ein paar entscheidende Merkmale von Aktien als Kapitalanlage.

Vorteil Nachteil
Langjährige Renditen liegen deutlich über Inflation Keine Garantien
Beteiligung am Produktiv- und Betriebsvermögen Totalverlust möglich
Täglich handelbar Werte schwanken
Insolvenzsicher, da Sondervermögen
Geringe Kosten (möglich)

Der größte Pluspunkt von Aktien ist deren Rendite. Diese liegt über lange Zeiträume gesehen meistens über der Inflationsrate, d.h. das Vermögen wächst nicht nur auf dem Papier, sondern ich kann mir davon in Zukunft tatsächlich mehr kaufen als zuvor.

Mit Aktien beteiligt sich der Anleger direkt an Unternehmen und deren Erfolg bzw. Misserfolg. Knapp formuliert kann man sagen: Geht es der Wirtschaft gut, geht es dem Anleger gut.

Ein weiteres Plus ist die Flexibilität. Die Anteile können jederzeit ge- und verkauft werden. Der Anleger bindet sich nicht wie bei Rentenversicherungen auf Jahrzehnte.

Aktien(-fonds)anteile gelten als Sondervermögen. Geht die Fondsgesellschaft oder die Bank, über die ich die Aktien erwerbe, pleite, passiert meinem Vermögen nichts. Anders bei geschlossenen Fonds oder sog. Zertifikaten, wenn bei diesen die Bank oder Fondsgesellschaft pleite geht, ist auch das Vermögen des Anlegers weg. Bei Banken und Versicherungen gibt es für Insolvenzfälle umfangreiche Sicherungsmaßnahmen, die verhindern sollen, dass das Geld einfach „weg“ ist.

Wer sich clever anstellt, hat auch nur sehr geringe Kosten beim Investieren, wie unser Gastbeitrag gezeigt hat.

Den Vorteilen stehen drei wesentliche Nachteile gegenüber.

1. Es gibt keine Garantien. Das findet der Deutsche schon mal abschreckend genug.

2. Daraus folgt, dass im Ernstfall – wenn also das Unternehmen, dessen Aktien ich erworben habe, Insolvenz anmeldet – die Aktie nichts mehr wert ist.

3. Aktienkurse schwanken zum Teil sehr erheblich. Beispielhaft stand der Kurs der „Volksaktie“ der Deutschen Telekom AG zum Höhepunkt bei über 100€, um anschließend auf unter 10€ zu sinken.

Das größte Risiko: Der Anleger

Das größte Risiko stellt jedoch der Anleger selbst dar. In der Theorie sind wir alle komplett rationale Marktteilnehmer, die sich nicht von Emotionen leiten lassen. Das ist natürlich Humbug. Wie der Anleger tatsächlich handelt, zeigt folgendes Bild:

Anlegerpsychologie

Anleger lassen sich von Emotionen leiten und begehen oftmals den Fehler, auf den perfekten Zeitpunkt für den Aktienkauf zu setzen.

 Private Anleger sind oft auf der Suche nach dem „Geheimtipp“ oder dem perfekten Einstiegszeitpunkt. Dadurch agiert der Anleger kopflos und von Emotionen gesteuert. Das Ergebnis ist das bekannte Prinzip: Hin und her, Tasche leer.

Einerseits kaufen Privatleute überwiegend ein, wenn die Aktienkurse schon sehr hoch stehen und verkaufen ihre Anteile, wenn die Kurse ziemlich tief stehen. Dabei leuchtet jedem ein, dass, wer bei 100€ einsteigt und bei 10€ aussteigt, ein mieses Geschäft gemacht hat.

Anderseits verdienen Fondsgesellschaften und Banken vor allem dann, wenn „Bewegung“ im Portfolio ist, also ständig umgeschichtet wird. Bei jedem Kauf und Verkauf von Aktien oder Fondsanteilen werden Gebühren fällig. Je öfter man also das Pferd wechselt, desto öfter fallen Gebühren an.

Für wen sind Aktien geeignet?

Am Anfang ist zu überlegen, für wen Aktien überhaupt geeignet sind. Da die Schwankungen erst über einen sehr langen Zeitraum ausgeglichen werden, braucht man also einen langen Anlagezeitraum und Geduld. Wer Schulden hat, tilgt diese zunächst, da die Kreditzinsen höher sind als die Aktienrendite. Weiterhin benötigt man eine Rücklage z.B. auf einem Tagesgeldkonto, um auf kurzfristige Ausgaben reagieren zu können. Es wäre ja blöd, wenn ich meine Aktien zu Tiefstpreisen verkaufen müsste, da gerade die Waschmaschine ihren Geist aufgegeben hat. Wer größere Anschaffungen wie z.B. ein Auto plant, kümmert sich zunächst darum. Das oberste Gebot ist und bleibt: Schulden vermeiden. Als vorletzter Punkt ist ein Hausbauwunsch zu berücksichtigen. Wer heute schon weiß, dass er in ein paar Jahren bauen will, braucht so viel Eigenkapital wie möglich. Da aber niemand weiß, wo die Aktienkurse zu dem Zeitpunkt stehen, lässt man besser die Finger davon. Der letzte Punkt betrifft die Versicherungen. Ausreichender Schutz für existenzbedrohende Risiken ist wichtig, weil im Fall der Fälle die Rücklagen schmelzen wie Schnee in der Sonne.

Wer also die Punkte bejahen kann, sollte über den Erwerb von Aktien nachdenken

  1. Keine Schulden
  2. Ausreichende Rücklage vorhanden
  3. Geplante, größere Anschaffungen sind ohne Kredite finanzierbar
  4. Kein Hausbauwunsch
  5. Notwendige Versicherungen vorhanden

Noch ausführlicher wird Herr Looman in der FAZ.

Regeln für den Aktienkauf

Alle fünf Punkte oben mit „Ja“ beantwortet? Herzlichen Glückwunsch! Dann kann es ja losgehen. Damit es aber nicht zum Fiasko kommt, wie bei der „T-Aktie“ ein paar wichtige Hinweise.

Am günstigsten kauft man Aktien direkt über die Börse. Allerdings erfordert das auch den meisten Aufwand. Der Kauf einzelner Aktien direkt über die Börse ist daher eher etwas für Profis. Für die meisten dürften daher Fonds, die in viele verschiedene Aktien investiert sind, in Frage kommen. Indexfonds, die einfach einen Index nachbilden, sind günstig und für den Otto-Normal-Anleger die erste Wahl.

Viele Fragen: Wann soll ich denn nun einsteigen? Die Antwort: das ist egal, Hauptsache man tut es. Warum? Weil es niemandem gelingt, den perfekten Ein- oder Ausstieg zu erwischen, da niemand in die Zukunft schauen kann. Also: Wenn die Punkte oben erfüllt sind, einfach loslegen, egal ob „Experten“ gerade zum Kauf oder eher zum Verkauf raten.

Viele halten sich für schlauer als der Rest der Anleger. Besonders verbreitet ist dieser Irrglaube bei den „Profis“ selbst. Doch sollte man folgendes bedenken: Der „Markt“, also der Börsenkurs ist die Summe aller Entscheidungen, aller Gewinne und Verluste. Daraus folgt, dass die Hälfte der Anleger besser, die andere Hälfte schlechter als der „Markt“ gewesen ist. Es besteht also tatsächlich eine Chance von 50% nach einem Jahr besser abgeschnitten zu haben, als der Markt. Im zweiten Jahr beträgt die Chance noch 25%. Jedes Jahr scheidet eine Hälfte aus. Wer Geld für die Altersvorsorge anlegt, denkt meist an Jahrzehnte, z.B. an einen Zeitraum von 30 Jahren. Und nun die Gretchenfrage: Wie wahrscheinlich ist es, nach 30 Jahren jedes Jahr den Markt geschlagen zu haben?

1 zu 1 Milliarde!

999.999.999 haben schlechter abgeschnitten.

Zum Vergleich haben wir mal andere Wahrscheinlichkeiten recherchiert:

Wahrscheinlichkeiten im Vergleich

Der Vergleich mit anderen Ereignissen zeigt die Unwahrscheinlichkeit, langfristig den Aktienmarkt zu schlagen.

Für alle da draußen, die denken, sie schlagen den Markt langfristig: Vergesst es!

So wirds gemacht

Aus diesen wesentlichen Erkenntnissen ergibt sich folgender Fahrplan:

1.)   Voraussetzungen für Aktien erfüllt?
2.)   Berater suchen
3.)   Strategie mit Berater festlegen (Risikoneigung, Beitrag, Aufteilung in Anlageklassen)
4.)   Sparplan beginnen
5.)   Drin bleiben
6.)   Jährlich prüfen, ob die Aufteilung noch passt und ggf. Umschichtungen vornehmen

Dieses Vorgehen ist einfach, kostengünstig, nervenschonend und erfolgversprechend.

Der wichtigste Rat ist jedoch: Geld ist nicht alles! Investiert auch in schöne Momente, davon habt ihr langfristig am meisten.

2 thoughts on “Anlegerpsychologie”

  1. HerbertbaP says:

    Hallo,

    interessante und informative Beiträge hier, super. Habe längere Zeit als stiller Gast nur mitgelesen und mich jetzt mal angemeldet.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr bei Gelegenheit auch einmal auf meinem Blog zum Thema Textilreinigung vorbeischauen würdet.

    Alles Liebe

    Herbert

    Rotweinflecken

    1. Tom Wonneberger says:

      Hallo Herbert,

      danke für dein Feedback und deine Anmeldung!

      Auf deinem Blog geht es ja auch gut ab. Viel Erfolg damit weiterhin 🙂

      Viele Grüße

      Tom Wonneberger

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